Viele Eltern kennen die Situation, wenn ihr Kind sich plötzlich ängstigt. Man erschrickt, weiß vielleicht nicht wie man richtig reagieren soll und macht sich selbst Sorgen. Je nachdem wie stark die Angst bzw. die Reaktion darauf ausgeprägt ist und in welcher Situation sie auftritt, fühlen sich einige Mamas frustriert. Sie verstehen nicht, wieso ihr Kind es nicht schafft einen Weg zu finden mit der Angst klarzukommen; und obwohl sie eigentlich gerne geduldig und unterstützend reagieren möchten, klappt es nicht so wirklich und sie fühlen sich eher gestresst.

angst

Doch was ist Angst eigentlich?

Angst an sich ist eine sinnvolle Reaktion des Körpers, um uns zu warnen bzw. zu schützen. Der Körper wird in einen Alarmzustand versetzt und es können erstaunliche Kraftreserven mobilisiert werden.

Dabei kann man zwischen Angst, Furcht und einer Phobie unterscheiden. Während  die Furcht sich auf ganz konkrete Dinge oder Ereignisse bezieht wie z.B. Hunde oder Erdbeben, so sind es bei der Angst eher abstrakte Ursachen, wie z.B. Monster, Trennungsangst oder Versagensangst. Eine Phobie dagegen ist die „krankhafte“ Ausprägung der Angst, die dann über einen längeren Zeitraum das gesamte Leben, den Tagesablauf usw. beeinträchtigt (auf diese soll hier nicht näher eingegangen werden).

Ursachen der Angst

Auslöser gibt es viele, grundsätzlich können allerdings folgende Hauptbereiche verantwortlich sein:

  1. Familiäre Faktoren: Angst kann erlernt werden. Wenn ein Elternteil selbst viele Ängste hat und immer wieder panisch auf bestimmte Situationen reagiert, kann es vorkommen, dass Kinder dieses Verhalten imitieren bzw. übernehmen.
  2. Umwelt- bzw. Lebensweltfaktoren: Veränderungen in den Lebensumständen lösen häufig Ängste bei Kindern aus. Traumatische Erlebnisse, wie der Tod eines nahestehenden Verwandten, Scheidung der Eltern oderMißbrauch können plötzlich zu starken Ängsten beim Kind führen. Auch Veränderungen im Sinne von Umzug, Schulwechsel, Geburt eines Geschwisterchens usw. sind mögliche Auslöser.
  3. Entwicklungsbedingte Faktoren: Bei Babys ist dies zum Beispiel die Angst vor Fremden rund um den 8. Lebensmonat, bei Kleinkindern die Trennungsangst, Angst  vor Gewittern, Tod oder  Phantasiewesen (während der sog. magischen Phase). Im Schulalter stehen dann Versagensangst, Angst vor dem Ausgegrenzt-Werden, Tod, Naturkatastrophen usw. im Vordergrund.

„Gefühle sind weder gut noch schlecht. Sie sind einfach nur da!“

Wieiviel Angst ist normal?

Da jedes Kind anders ist, einen anderen Charakter hat und in einem anderen Umfeld bzw. einer anderen Familie aufwächst, ist auch das Angstpotential bei jedem Kind unterschiedlich stark ausgeprägt.

Grundsätzlich gilt, dass das Durchleben von ängstlichen Phasen absolut normal ist. DieAusprägung bzw. wie stark diese Angst Einfluss auf das Verhalten des Kindes hat, ist abhängig von dessen Fähigkeiten, Selbstbewusstsein, Erfahrungen und Charakter.

Nimm aus diesem Grund bitte die Ängste deines Kindes immer ernst und sieh sie als Teil des normalen Entwicklungsprozesses.

Was kannst du als Elternteil tun?

Egal, wovor dein Kind Angst hat, gib ihm das Gefühl, dass du seine Gefühle ernst nimmst. Es muss spüren, dass es mit diesem schwierigen Gefühl gesehen wird, es zulassen darf und dass Angst normal ist. Erst dann kannst du ihm helfen einen Weg zu finden mit der Angst umzugehen. Denn das Überwinden der Angst klappt nur, wenn dein Kind sich sicher und geborgen fühlt.

Das könntest du tun, wenn dein Kind Angst hat:
  • Zeig deinem Kind, dass es vollkommen in Ordnung ist ab und zu Angst zu verspüren. Erzähl ihm zum Beispiel von Situtaionen, in denen du einmal Angst hattest und wie du diese erfolgreich überwunden hast.
  • Ermutige dein Kind über seine Gefühle zu sprechen.
  • Höre deinem Kind genau, aufmerksam und ohne Bewertung zu, wenn es dir von seinen Gefühlen erzählt. Gefühle sind weder gut noch schlecht, sie sind einfach nur da.
  • Akzeptiere, dass es für dein Kind sehr schwer ist die Angst zu kontrollieren und sie zu überwinden. Zeig deshalb für seinen Versuch Anerkennung.
  • Hab Geduld und versuch dich in dein Kind hineinzuversetzen.
  • Wenn dein Kind v.a. auf unbekannte Situationen oder plötzliche Veränderungen ängstlich reagiert, dann sorge für Gewohnheiten und Routinen im Tagesablauf. Daran kann sich dein Kind orientieren, was ihm Sicherheit gibt.
  • Ermutige dein Kind dazu sich zu bewegen. Sportliche Betätigung (v.a. an der frischen Luft) schüttet Glückshormone aus und ermöglicht es dem Gehirn weniger an die angstauslösende Situation zu denken.
  • Sorge auch dafür, dass dein Kind die Möglichkeit hat, sich auszuruhen und zurückzuziehen. Es prasseln den ganzen Tag so viele Eindrücke auf die Kinder ein, dass es für sensible Kinder oft schwierig ist, dies alles nebenbei zu verarbeiten.
Was du besser vermeiden solltest, wenn dein Kind Angst hat:
  • Mach dich nicht über die Ängste deines Kindes lustig, auch wenn sie für dich vollkommen unverständlich sein mögen.
  • Vermeide auch logische Argumente, weil sie für dein Kind in dieser Angstsituation wenig Sinn haben und dein Kind aufgrund diesen starken Gefühls gar nicht wirklich erreichen.
  • Versuche dein Kind nicht überzubehüten. Ich kann den Wunsch zwar verstehen seinem Kind die angstauslösende Situation vorenthalten zu wollen, doch es ist besser nach und nach das Überwinden der Situation gemeinsam zu versuchen, als sie komplett zu vermeiden.
  • Reagiere nicht über, weil du deine eigenen Sorgen noch mit hineininterpretierst, sondern versichere deinem Kind lieber, dass du da bist und es sicher ist.
  • Vergleich dein Kind nicht mit anderen Kindern, die scheinbar viel mutiger sind. Auch diese haben in der Regel ab und an Ängste oder haben Probleme mit Situationen, die dein Kind erfolgreich selbst meistert. Jedes Kind ist anders!

Was sonst noch helfen könnte…

Trennungsangst

Falls dein Kind gerade enorme Ängste hat, wenn es in den Kindergarten oder die Kita soll und sich nur sehr schwer von dir trennen kann, versuch doch Folgendes:

  • Vorbeugend könntest du die Trennung nach und nach einführen. Nimm dir einen Babysitter oder Oma/Opa und lass dein Kind für kurze Zeit dort. Sobald dies klappt, erhöhe diese Zeit langsam bis dein Kind sich auch mit einem längeren Zeitraum wohl fühlt.
  • Genauso kannst du auch bei der Eingewöhnung in den Kindergarten vorgehen.
  • Halte dich dabei unbedingt an deine Versprechen. Wenn du sagst, du bist um 3 Uhr wieder da, dann sei das auch. Dein Kind muss sich auf dich verlassen können, damit es sich sicher fühlen kann.
  • Mache deinem Kind den Zeitraum begreiflich, indem du Beschreibungen nutzt, die es einordnen kann. Zum Beispiel „gleich nachdem du zu Mittag gegessen hast“ oder „..wenn ihr in den Garten zum Spielen geht“.
  • Abschiedsrituale helfen oft enorm, v.a. wenn sie ganz speziell sind. Eine bestimmte Abfolge aus Handschlag, Küsschen oder Umarmung zum Beispiel, die nur ihr kennt
  • Einigen Kindern hilft auch ein Stellvertreter. Zum Beispeil ein Kuscheltier, das stellvertrend für dich mit in der Kita bleibt und auf das Kind aufpasst, während du nicht da bist. Oder ein selbstverzierter Zauberstein, den dein Kind in die Hand nehmen kann und der ihm wieder Mut gibt.

Angst vor Phantasiewesen

Es ist oft hilfreich, darauf zu achten, dass dein Kind nur Filme und Bücher liest, die der Altersangabe entsprechen bzw. die zu seinem Temperament passen. Viele Themen, Filmschnitte oder Kreaturen ängstigen Kinder, obwohl sie den Film oder das Buch eigentlich gerne haben. Die Angst taucht dann nachts oder Tage später auf, weil sie sich gedanklich immer noch mit den Themen befassen.

Es ist auch sinnvoll Filme gerade mit jüngeren Kindern nur gemeinsam anzusehen und dem Kind  die Gelegenheit zu geben sofort seine Fragen zu stellen; das erleichtert die Einordnung und Verarbeitung des Inhalts enorm.

„Feeling heard and understood allows children to release the feelings, let go and move on.“

Janet Lansbury

Angst vor Neuem / Unbekannten

Falls dein Kind sehr ängstlich auf neue Situationen reagiert, sprich im Vorfeld mit ihm über die zu erwartende Situation. Erzähl ihm alles, was du bereits darüber weißt. Falls dein Kind zum Beispiel zum ersten Mal auf Klassenfahrt geht. Besprich mit ihm das Programm, wer dabei sein wird, wie es dort aussieht, was es alles erleben könnte und an wen es sich vertrauensvoll wenden kann. Das macht die neue Situation bereits im Vorfeld bekannter und weniger angsteinflößend.

Ermutigung

  • Wenn dein Kind sich ängstlich fühlt geht dies mit einem Gefühl der Hilflosigkeit einher.  Dinge erscheinen viel schlimmer als sie in Wirklichkeit sind und dein Kind braucht dringend das Gefühl sicher zu sein. In der Hochphase dieses Angstgefühles ist es oft wesentlich sinnvoller einfach nur zu sagen „Ich bin bei dir und du bist sicher“ zu sagen, als mit vermeintlich logischen Argumenten das Angstgefühl zerreden zu wollen.
  • Suche dir eine Atemtechnik (z.B. hier) und führe diese mit deinem Kind gemeinsam durch. Die Angst verursacht körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, schwitzen, flaches Atmen usw. Mit dem gemeinsamen Atmen beruhigen sich diese Körperfunktionen wieder und dein Kind kann sich leichter auf dein Hilfsangebot einlassen.
  • Versuche deinem Kind ein Hilfsmittel mit auf den Wg zu geben, dass es selbst abrufen kann, eine Art Mantra zum Beispiel. Dabei könnt ihr beide kreativ werden. Bei älteren Kindern hilft es auch zu sagen „Es ängstigt mich UND …“. Zum Beispiel „…UND ich habe es schon einmal gemeistert“, „…Und ich bin nicht alleine“, „…UND ich schaffe das“, „…UND ich weiß was zu tun ist“, „…UND ich werde geliebt“, „…UND ich bin sicher“.
  • Gerade, wenn dein Kind noch unter 10 Jahren ist, lies viele Märchen mit ihm. Diese haben immer ein Happy-end, es werden viele Angstthemen behandelt und diese geben dem Kind die Möglichkeit Lösungswege in der Phantasie durchzuspielen. Natürlich solltest du, wie oben bereits erwähnt, auch hier auf die Alterseignung achten.

Ich hoffe sehr, dass der Artikel dir hilft die Ängste deines Kindes besser einzuordnen und du ein paar Impulse mitnehmen kannst, wie du darauf reagieren könntest.

Falls du noch weitere Tipps oder Erfahrungen hast, schreibe sie mir gerne in den Kommentaren!

Liebe Grüße

PS:
Hättest du gerne mehr Tipps von mir, wie du entspannt und gelassen erziehen, dein Mama-Sein richtig genießen UND die Bedürfnisse deines Kindes erkennen kannst?

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Ich freu mich auf dich!

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Wie du mit der Angst deines Kindes umgehen kannst
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