Dein Kind zeigt aggressives Verhalten, schlägt, beißt oder zwickt manchmal andere Kinder?

Es schlägt mit der Faust nach dir, wenn es wütend ist?

Geschwisterkinder schubsen sich gegenseitig?

Du bist mit den Situationen überfordert und hast Angst, dass dein Kind als Problemfall oder als verhaltensauffällig abgestempelt wird?

Dann bist du nicht allein…

Unzählige Mütter stehen vor derselben Situation, werden selbst wütend aufgrund des aggressiven Verhaltens der Kinder und wissen nicht wie sie richtig darauf reagieren sollen.

Das Problem bei der Sache sind weniger die Kinder als die Erwartungen unserer Gesellschaft.

Von klein auf wird uns beigebracht, dass Kinder immer höflich, nett, zuvorkommend und gehorsam sein sollen. Kindliches Verhalten oder besser gesagt Gefühle werden in gut und böse eingeteilt. Jegliche Anzeichen von Aggression werden mißgebilligt und sofort im Keim erstickt.

Natürlich ist es löblich und sinnvoll darauf zu achten freundlich mit anderen Menschen umzugehen, doch dies kann unmöglich immer gelingen.

aggressives verhalten

Aggression, Frust und Wut sind vollkommen normale und legitime Gefühle, die uns zeigen, dass gerade irgendetwas nicht stimmt. Doch anstatt diese Gefühle zu akzeptieren und unseren Kindern den richtigen Umgang damit zu zeigen, verurteilen wir diese Emotionen (und unsere Kinder oft gleich mit).

Wenn der 3-jährige im Sandkasten seinen Spielkameraden mit der Plastikschaufel haut oder die 7-jährige Schwester den jüngeren Bruder schubst, weil er ihr einen Streich gespielt hat, dann ist dies natürlich aggressives Verhalten. Wir übersehen dabei aber oft, dass die Kinder durch aggressives Verhalten Verbindung mit uns aufnehmen; es ist ein Kommunikationangebot..

Welche Gründe stecken also hinter diesen aggressiven Verhaltensweisen?

Genau, das gilt es herauszufinden. Du musst das Bedürfnis erkennen, das hinter dieser Wut liegt, dann kannst du deinem Kind dabei helfen seine Wut und seine Aggression zu regulieren.

1.Grund: Die sog. Trotz- oder Autonomiephase

Dein Kind im Alter zwischen 1,5 und 4,5 Jahren macht gerade eine weitere, wichtige Entwicklungsphase durch. Es entdeckt immer mehr seine Eigenständigkeit und seinen eigenen Willen und wird gerade deshalb von dir etwas gebremst; denn nun gibt es auch mehr Gefahren.

Dies wiederum frustriert dein Kind, es erlebt heftige Gefühlsausbrüche (von denen es selbst überrascht ist), fühlt sich überfordert und im Zwiespalt.

Es kann seine Gefühle noch nicht regulieren und kann während eines Gefühlsausbruchs auch nicht auf gut gemeinte Worte reagieren. Es ist selbst überwältigt und schlägt um sich, kratzt oder beißt.

Hier hilft erst einmal ruhig, akzeptierend und tröstend auf das Kind einzuwirken, bis es wieder für Botschaften zugänglich ist.

Mehr Tipps und Strategien zum Umgang mit der sog. Trotzphase deines Kindes findest du hier...klick.

2. Grund: Ersatz für Sprache – Kontaktaufnahme

Kleine Kinder verfügen einfach noch nicht über ausreichend verbale Möglichkeiten, um ihre Gefühle auszudrücken oder sich mit anderen verbal auseinanderzusetzen.

Also bleibt ihnen nur die Möglichkeit körperlich zu „sprechen“.

Obwohl es aggressiv wirkt ist es keineswegs so gemeint, sondern stellt eigentlich eine Kontaktaufnahme dar. Das Kind will mit einem Knuffer oder Schubser sagen „Hey, ich möchte mit dir spielen“.

Du kannst deinem Kind dabei helfen und ihm andere Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zeigen , z.B. winken, Spielzeug anbieten etc.. Wenn du die ersten Male dabei bleibst, könntest du das geplante Schubsen oder Schlagen auch nebenbei (und v.a. sanft) umlenken.

Kinder übernehmen das relativ schnell. Wichtig ist nur, dass du dein Kind für diese körperliche Kommunikation nicht ausschimpfst, sondern es begleitest und sein Vorhaben des „Hallo“-Sagens in Worte fasst.

3. Grund: Ersatz für Sprache – Grenzen und Frust

Wenn die Sprache noch nicht ausgebildet ist, muss dein Kind auf andere Weise persönliche Grenzen deutlich machen.

Wenn dein Kind etwas selber machen möchte, es sich überfordert oder gestresst fühlt und es sein Bedürfnis nicht sprachlich kommunizieren kann, dann muss es dies körperlich zeigen. Es haut oder schubst dann vielleicht, um Distanz herzustellen, um „Stopp“ zu sagen oder um Ruhe zu bekommen.

Das Leben kleiner Kinder besteht aus hunderten Versuch-und-Irrtum-Experimenten. Und wenn z.B. nach 15 Minuten Übung das Pfeifen immer noch nicht funktionieren will, dann macht das wütend.

Hierbei ist wieder deine liebevolle, vorausschauende Begleitung wichtig, damit niemand verletzt wird und dein Kind sich nicht allein gelassen fühlt mit seinen Emotionen.

4. Grund: Verletzung der Integrität

Wir Erwachsenen, ja auch wir Mütter, verletzen die Grenzen unserer Kinder immer wieder; nicht nur zuhause, auch im Kindergarten, der Schule oder im Sportverein passiert das.

Dein Kind wird von den anderen Kindern vielleicht ausgeschlossen, du hebst dein Kind ohne Vorwarnung aus dem Sandkasten, weil es jetzt nach Hause geht oder die kleine Schwester schleicht sich heimlich ins Zimmer der Älteren und macht etwas kaputt.

Auch Ausdrücke wie „Stell dich nicht so an“, „Sei nicht so zickig“ oder ein lapidares „dafür bist du noch zu klein, zu jung etc.“ gehören dazu.

All diese Beispiele von Grenzüberschreitungen verletzen die Integrität deines Kindes.

Sie  passieren oft ohne dass es einem bewusst ist, dein Kind fühlt sich ungehört oder ungesehen, bedrängt oder bedroht und weiß sich schließlich nicht mehr anders zu helfen als sich körperlich zu verteidigen.

Geschieht dies zwischen Kindern, ist es wichtig, dass du mitfühlend begleitest und Alternativen vorlebst.

Geschieht es zwischen dir und deinem Kind, dann sieh agressives Verhalten als einfache Reaktion deines Kindes und als Gelegenheit über dich selbst und dein eigenes Verhalten nachzudenken. Oft ergeben sich solche Grenzüberschreitungen ja aus Zeitmangel oder Stress und nicht aus böser Absicht.

Unsere Kinder sind nicht dazu da, uns zu schonen oder in Ruhe zu lassen.
Wir alle haben die Möglichkeit, uns an der Seite unserer Kinder zu entwickeln und zu wachsen.
Jesper Juul

5. Grund: weitere

Neben den häufigsten bereits genannten Gründen, gibt es noch weitere für aggressives Verhalten auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte.

Hierzu gehört z.B. fehlende sensorische Integration beim Kind  oder schlechtes Vorbild durch Gewalterfahrungen in der Familie.

Beides sollte mit Hilfe von therapeutischem Fachpersonal begleitet bzw. aufgearbeitet werden.

Möchtest du erfahren wie du im Umgang mit deinem Kind gelassen und entspannt bleiben kannst, um dein Familienleben mit Freude und Leichtigkeit zu gestalten ?

Dann hole dir hier den Videokurs "Mama-entspann dich mal!" an!

Fazit:

Wutszenen und aggressives Verhalten bei kleinen Kindern sind nichts Ungewöhnliches, Auffälliges oder Verwerfliches; sondern gehört zur kindlichen Entwicklung einfach dazu.

Mit Gefühl, Einfühlungsvermögen und wertschätzender Begleitung hilfst du deinem Kind seine Emotionen zu ordnen und zu regulieren.

Bestrafungen oder Konsequenzen sind hier fehl am Platz (mehr dazu liest du hier…klick)und verstärken den Frust beim Kind nur, weil es sich dadurch nicht angenommen und falsch fühlt. Im ungünstigsten Fall lernt dein Kind dadurch seine negativen Gefühle zu unterdrücken und sich anzupassen…weg sind die Gefühle dadurch aber nicht.

Bestimmt hast du auch schon oft gelesen, dass IMMER wir Erwachsenen für die Qualität der Beziehung zu unseren Kindern verantwortlich sind. Und wenn du darüber nachdenkst, wirst du bestimmt auch feststellen, dass dies absolut richtig ist.

Genauso wie du möchte dein Kind wertgeschätzt und geliebt werden, sowie sich geborgen fühlen.

Wenn also dein Kind das nächste Mal aggressives Verhalten zeigt, dann freu dich Gelegenheit zu haben mehr über dein Kind, seine Gefühlswelt und seine Bedürfnisse zu erfahren.

Lächle eventuelle unterschwellige Vorwürfe anderer Mütter einfach weg, denn du weißt ja nun, dass dein Kind nicht gleich verhaltensauffällig ist, nur weil es körperlich kommuniziert.

Erinnere dich in schwierigen Situationen auch gern daran, dass du doch im Grunde viel öfter schöne Momente mit deinem Kind erlebst als anstrengende.

Ich wünsche dir viel Erfolg im wertschätzenden Umgang mit deinem Kind und bin mir sicher, dass es eure Beziehung zueinander positiv beeinflussen wird.

 

Liebe Grüße

PS:
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Über den Autor

 

Stefanie Wenzlick ist Diplom-Pädagogin (Univ.), Medienpädagogin und selbst Mama von 3 Kindern. Auf ihrem Blog gibt sie praktische Tipps und Anregungen rund um ein entspanntes Familienleben, Erziehungstipps, Kreatives, Shoppingtipps und Episoden aus dem Alltag mit 3 Kindern.

Nachdem sie über 10 Jahre lang Familien und Mütter vor Ort beraten und begleitet hat, ist sie nun auch online als Mamacoach und Erziehungsberaterin tätig. Sie unterstützt Frauen dabei entspannt und mit Leichtigkeit ihren vielen Rollen (Mutter, Partnerin, Freundin, Arbeitnehmerin etc.) gerecht zu werden, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und trotzdem eine gute Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen.

 

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„Nicht in diesem Ton“ – aggressives Verhalten deines Kindes und wie du damit umgehen solltest
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9 Kommentare zu „„Nicht in diesem Ton“ – aggressives Verhalten deines Kindes und wie du damit umgehen solltest

  • Januar 19, 2017 um 6:31 pm
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    Liebe Steffi, ein toller Artikel mit guten Tipps. Ich selbst erlebe mit meinem Großen (fast 3) derzeit auch immer mal wieder Trotz- und Aggressionsphasen. Dabei versuche ich gelassen zu bleiben und ihn so gut ich kann zu unterstützen. Klappt natürlich nicht immer, daher kommen mir deine Tipps sehr gelegen. Danke ☺
    In meinem Beitrag auf meinem Blog http://www.ohanaban.de/2016/07/01/terrible-two-­weltuntergang-in-3-2-1-booom/ habe ich das Thema für mich reflektiert.

    • Januar 19, 2017 um 6:55 pm
      Permalink

      Hallo Johanna,
      dein Artikel zum Thema ist wirklich gelungen.
      Es freut mich, dass du es geschafft hast alles mehr mit Humor zu betrachten…das erleichtert einiges.

      Liebe Grüße
      Steffi

  • Januar 20, 2017 um 4:12 pm
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    Sehr schöner Artikel. Unser Jüngster versucht durch hauen und kneifen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich habe das Gefühl mich besonders in der Kita ständig für ihn zu entschuldigen. Dabei weiß ich, dass er ein liebes Kind ist. Die Vorwürfe von den Erziehern kommen immer durch die Blume, dabei finde ich sollten sie eher dabei helfen und sagen, dass man als Mama nicht allein ist. Das hat mir immer bisher gefehlt.
    Liebe Grüße
    Natalia

    • Januar 21, 2017 um 11:43 am
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      Hallo Natalia,
      ja als Mama spürt man sofort den Druck der Einrichtungen, sobald das Kind nicht den „Normen“ bzw. Erwartungen entspricht…und manche Erzieher sind leider sehr unsensibel im Gespräch mit Eltern (aber zum Glück nur manche).
      Ich bin mir sicher, dass dein Kleiner ein ganz tolles Kind ist.

      Liebe Grüße
      Steffi

      • Januar 22, 2017 um 10:56 am
        Permalink

        Danke für Deine Worte. Er ist ein ganz wunderbares Kind! Ich bin nur froh, dass er der Dritte ist und ich bereits eine sehr erfahrene Mama. Ich fürchte, wenn es nicht so wäre, würde ich wirklich verzweifeln und immer denken, dass etwas nicht stimmt.
        LG Natalia

  • März 21, 2017 um 7:24 pm
    Permalink

    Hallo Steffi.
    Wie geht man dann damit um, wenn das eigene Kind einen haut, weil es wütend ist, weil wir/ ich etwas nicht erlaubt habe oder geschimpft habe.
    Habe bisher ich (vor allem als ich schwanger war) konsequent gesagt, dass das nicht geht, mich hauen, ich das nicht möchte und wenn sie wütend ist, soll sie auf auf den Boden hauen oder gehen die Wand.
    Hauen lassen an der Stelle geht bei mir gar nicht, gibt es Alternativen?
    Viele Grüße, Jessica

    • März 21, 2017 um 7:49 pm
      Permalink

      Hallo Jessica,
      du sollst dich auch nicht hauen lassen, dich aber auch auf keinen Machtkampf einlassen. Fang die Hand sanft ab und lenk die Bewegung um. Ich weiß nicht, wie alt dein Kind ist…aber erklär ihm kurz und knapp, dass du dich nicht hauen lässt. Und dann schau hinter das Verhalten, was steckt da für ein Bedürfnis das gesehen werden will?
      Eine ausführliche Beratung kann ich dir hier nicht geben, dazu gibt es die Coaching- und Beratungsmöglichkeiten auf der Webseite.
      Du kannst aber auch gerne in meine Facebook-Gruppe „Entspannte Erziehung-Entspanntes Familienleben“ kommen, dort beantworte ich einmal pro Monat spezifische Fragen der Mitglieder in Form eines Videos und zwischendurch auch in den einzelnen Postings. Wenn du magst, komm gerne vorbei…hier der Link https://www.facebook.com/groups/entspanntefamilie/
      Liebe Grüße
      Steffi

  • November 26, 2017 um 3:20 pm
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    Warum immer “ Mama“ Msmacoach etc.
    Mich nervt das! Bitte Eltern ansprechen, nicht nur die Mütter. Seit Jahren kömpfe ich dafür, dass Väter genauso verantwortlich in der Erziehung sind und wenn dann ständig nur von den Müttern gesprochen wird empfinde ich das als herben Rückschlag. Ganz davon abgesehen, dass Mütter gerne dazu neigen alles was mit Kind zu tun hat an sich zu reisen, weil es die Männer ja nicht so gut können…Ich weiß das klingt jetzt provokant, aber liebe Mütter seit mal ganz ehrlich, ist es nicht oft so?!
    GLG Ruth, Elterncoach, 3 Kinder

    • November 27, 2017 um 6:36 am
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      Hallo Ruth,
      den Zusammenhang zum Artikel versteh ich nicht ganz, aber gut. Zu deinem Frust nur kurz: wie meine Haupt-Zielgruppe aussieht und wie ich meinen Arbeitsbereich nenne, liegt nun einmal alleine in meinem Ermessen. Trotz allem habe ich auch die Väter häufig mit in der Beratung, was absolut ok für beide Seiten ist und selbst diese stören sich wenig an der Bezeichnung „Mamacoach“, obwohl es sie wesentlich unmittelbarer trifft als dich. Wenn du deinen Fokus lieber auf „kämpfen“ und die Dinge legst, die nicht dem entsprechen, was du eigentlich möchtest, dann ist das sicher wenig entspannend oder freudvoll, liegt allerdings alleine bei dir und hat mit mir und meiner Arbeit wenig bis nichts zu tun. Es ist doch toll, wenn du dich Elterncoach nennst und so arbeitest. Damit füllst du ja dann die von dir kritisierte Lücke :). Alles Gute für dich und deine Arbeit. Steffi

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