Letzte Woche hast du ja schon gehört, dass dein Kind eventuell nicht auf dich hört, weil du nicht authentisch und klar bist bzw. eine zu blumige oder viel zu strenge Wortwahl benutzt.
(Zum Nachlesen hier entlang – Klick)
Heute geht es weiter mit Grund 3-5 und ich bin gespannt, ob du dich darin wiederfinden wirst.

 kind hört nicht auf mutter

Grund 3: Zu viele und zu strenge Regeln und Grenzen

Kinder möchten sich weiterentwickeln, sie wollen wachsen, wollen sich selbst ausprobieren und die eigenen Grenzen kennnelernen – das ist naturgegeben.
Vielleicht gibt es bei euch zu viele Regeln und Grenzen, dein Kind darf z.B. hier das nicht anfassen, in das nächste Zimmer soll es auch nicht hineingehen, es darf nicht beim Kochen helfen, weil es sich verletzen könnte und sollte natürlich auch nicht klettern usw.
Das schränkt dein Kind ein und so bleibt ihm eigentlich nichts anderes übrig als die Grenzen immer wieder zu überschreiten, weil sie einfach zu eng sind. Und das wiederum kommt bei dir dann an, als ob dein Kind sich einfach nicht an das halten will, was du ihm sagst.

Doch Kinder müssen sich ausprobieren dürfen, natürlich je nach Alter unter Aufsicht. Deine Aufgabe dabei ist es dein Kind zu begleiten, das Sicherungsnetz zu sein und nicht alles von außen her abzusichern, indem du so viel wie möglich verbietest und ihm damit die Möglichkeit nimmst selbst herauszufinden wo seine Grenzen liegen. 

Dein Kind macht das Entdecken und Grenzen überschreiten NICHT gegen dich, sondern FÜR sich, um sich weiterzuentwickeln.


(Und nur der Vollständigkeit halber: Natürlich sind damit nicht Situationen gemeint, wo es wirklich um echte Gefahr geht (Straßenverkehr, Feuer); da ist es je nach Alter durchaus sinnvoll gewisse Aktivitäten erst einmal einzuschränken. Doch auch hier sollen Kinder langsam herangeführt werden und sich alleine ausprobieren dürfen, denn nur so entwickeln sie Vertrauen und Erfahrung, um es dann später richtig (!) alleine zu können).

Mein Tipp, um die Regeln und Grenzen etwas zurückzuschrauben:

  • Geh einfach mal in Gedanken alle eure Regeln und Verbote durch und schau mal für dich, warum sie aufgestellt wurden und ob sie wirklich alle notwendig sind.
  • Filtere die heraus, die du nur aufgestellt hast aus (überspitzt gesagt) Bequemlichkeit und auch die, die auf übertriebener Angst bzw. Sorge deinerseits entstanden sind.
  • Lockere diese dann; dadurch wirst du feststellen, dass die Situationen, in denen dein Kind nicht auf dich hört, auch automatisch abnehmen werden.
  • Natürlich ist das anstrengend, v.a. je jünger dein Kind ist, weil es bedeutet, dass du achtsamer sein musst und mehr begleitend dabei sein musst – doch auf lange Sicht lohnt es sich enorm, weil dein Kind so mehr Selbstvertrauen entwickeln kann (Tipps wie du das Selbstvertrauen deines Kindes stärken kannst, findest du hier – Klick).

Grund 4: Gehorsam einfordern

Das passiert im Alltag (mehr oder weniger unbewusst) immer wieder – vielleicht kennst du das bei euch auch – und endet dann meist im Machtkampf.
Diese Einforderung von Gehorsam entsteht oft, wenn du dich hilflos fühlst und keine Alternative mehr hast. Die Gründe dafür sind zahlreich, z.B. weil es zu einer herausfordernden Situation vor Publikum im Supermarkt kommt, oder du dich vom Verhalten oder den Worten deines Kindes persönlich angegriffen fühlst. Daraus entsteht dann nicht selten dieses Einfordern von Gehorsam aus Prinzip; dein Kind geht dabei ziemlich wahrscheinlich in den Widerstand und schon findet ihr euch im schönsten Machtkampf wieder, der letztendlich euch beide schlecht fühlen lässt.
Es geht dann nur noch darum, das dein Kind jetzt machen soll, was du willst – Punkt.

Du merkst das ganz einfach durch folgende Gedanken, die dir dann durch den Kopf gehen:

  • Ich kann mir doch nicht auf der Nase herumtanzen lassen.
  • Das muss er/sie doch jetzt endlich lernen, das kann ich nicht durchgehen lassen.
  • Mein Gott, das Leben ist nun einmal kein Ponyhof bzw. Wunschkonzert, da muss er/sie jetzt durch.

Wenn dir diese oder ähnliche Gedanken in einer Situation mit deinem Kind auffallen, dann versuch dir bitte innerlich ein „Stopp“ zu geben, weil du dann mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Machtkampf feststeckst.
Damit kommt ihr aber nie zu einem zufriedenstellenden Ergebnis und das Problem mit dem es angefangen ist schon lange nicht mehr Gegenstand des Konfliktes. Es geht nur noch darum, wer gewinnt und letztendlich wird es meist so enden, dass du deine Macht (die du nun einmal hast, dadurch dass du körperlich überlegen und die Elternrolle inne hast) nutzt nach dem Motto „Das ist jetzt aber so“ und du einfach „dein Ding“ durchziehst.

Wenn das häufig vorkommt, ihr oft in Machtkämpfe verstrickt seid, wird es vermutlich passieren, dass dein Kind irgendwann aufgibt. Denn es ist natürlich abhängig von dir. Es braucht dich, um zu überleben.
Und wenn du dann deine „Wenn-dann-Sätze“ einbringst, strafst oder mit Strafen drohst usw., dann wird dein Kind vermutlich nachgeben und gehorchen. Doch es gibt damit auch sein eigenes Bedürfnis auf und damit auch ein Stück sich selbst und das belastet eure Beziehung, weil du in diesen Momenten deine Macht demonstrierst und nicht auf Augenhöhe mit deinem Kind interagierst. Denn dein Kind gibt sein Bedürfnis ja nicht freiwillig auf, weil es selbst das will, da ihm klar ist, wie wichtig dir etwas ist oder weil ihr konstruktiv miteinander gesprochen habt, sondern nur weil es gezwungen wird.

Dein Kind fühlt sich also schlecht, denn es muss seine Gefühle unterdrücken und streng genommen interessiert dich in diesen Situationen auch nicht, was dein Kind denkt und fühlt, weil du ja nur gewinnen willst.

Häufig verlangt manche Mutter dann auch noch, dass das Kind voller Freude gehorcht, also guter Laune ist und lächelt und beschwert sich, wenn es das nicht tut und mißmutig oder sogar wütend ist. Das ist von außen betrachtet etwas seltsam, denn die wenigsten Menschen – egal ob Kind oder Erwachsener – werden glücklich lächelnd etwas ausführen zu dem sie quasi gezwungen wurden.
Weiter unten wirst du Tipps erhalten, wie du Machtkämpfe verringern bzw. verhindern kannst.

Grund 5: Du gehst in die Opferhaltung


Neben der Machtausübung durch Strafen usw. gibt es allerdings noch ein Phänomen, das oft eingesetzt wird – die emotionale Erpressung.
Das klingt jetzt furchtbar hart und natürlich will man das nicht so gerne hören, doch genutzt hat das sicher schon der Großteil von uns Müttern – nicht aus böser Absicht, sondern eher aus Alternativlosigkeit. Gemeint ist damit so etwas wie

  • „Niemand schaut was ich alles zu tue, alles bleibt an mir hängen – mir würde es viel besser gehen, wenn du mir hilfst und den Geschirrspüler ausräumst“
  •  „Du willst heute nachmittag zu deinem Freund? Also ich fahre dich nur, wenn du mir vorher auch mal hilfst“


Du könntest jetzt natürlich sagen, damit hat es doch die Wahl. Doch streng genommen lässt du deinem Kind ja nicht wirklich eine Wahl – im Gegenteil. Entweder macht es was du willst oder es bestraft sich selbst.

Ich weiß, dass kaum eine Mutter das bewusst will, sondern dass es aus verschiedensten Gründen fast automatisch passiert. Und oft steckt auch einfach die Angst dahinter, dass das Kind sonst nie helfen würde, dass es das ja sonst nie lernt – also eine wirklich Sorge darum, dass dein Kind nicht gut vorbereitet für´s Leben wird.

Doch diese Sorge ist unbegründet. Deshalb macht es mehr Sinn für eine positive und tragfähige Beziehung, wenn du deinem Kind eine echte Wahl lässt. Indem du es einfach fragst, oder indem du ihm sagst, dass du dir bei diesem oder jenem Hilfe wünschen würdest. Und dann Punkt.
Dazu gehört dann auch, dass es „nein, jetzt passt es gerade nicht“ sagen darf und du dann nicht schimpfst oder beleidigt bist.
Beim nächsten Mal, wenn es sieht, dass du gerade etwas machst, wird es von alleine kommen und dich fragen, ob es helfen soll oder sogar direkt die Spülmaschine ausräumen ohne Aufforderung. Eben weil du ihm die Wahl lässt.


Deshalb hier noch meine zusammenfassenden Abschluss-Tipps für dich:

  • Sieh dir mal an in welchen Situationen das immer wieder passiert – denn meist werden es immer ähnliche Situationen sein
  • Schau dir diese dann ganz genau an und überlege was du hier verändern könntest – nicht dein Kind, sondern du!
  • Bist du wirklich authentisch? Bist das du? Willst das wirklich du? Oder gehört das jemand anderem und du hast es einfach übernommen?
  • Lässt du deinem Kind auch mal die Wahl? Eine echte Wahl, bei der es auch „nein“ sagen darf ohne Ärger zu bekommen? Überleg mal, in welchen Situationen du ihm Wahlen lassen kannst und in welchen es wirklich wichtig ist, dass du aufforderst und nicht fragst. Das führt zu deutlich mehr Klarheit bei dir und dadurch auch bei deinem Kind.
  • Halte dir vor Augen, dass Strafen, Drohungen, Schreien und Schimpfen nicht wirklich helfen – zumindest nicht nachhaltig. D.h. beim nächsten Mal braucht es dann wieder Drohungen (vielleicht noch stärkere) um das Gewünschte zu erreichen, und das ist wenig sinnig.

 

Was ich hier aufgeführt habe, betrifft naürlich nicht die 3-4 wichtigen Familienregeln, die ihr für euch aufgestellt habt, sondern dieses alltägliche unbewusste Auffordern den ganzen Tag über.

Deshalb frag dich, wenn du dich in einer herausfordernden Situation mit deinem Kind wiederfindest:

  • Was ärgert dich wirklich daran?
  • Wirklich, dass es nicht gehorcht?
  • Oder fühlst du dich nicht gehört?
  • Denkst du, dass du es einfach nicht hinbekommst?
  • Dass du nicht respektiert, gesehen, wertgeschätzt wirst?
  • Geht es vielleicht mehr um deinen Selbstwert?
  • Brauchst du die Bestätigung von außen?

Wenn dem so ist, dann frag dich auch:

  • Gibst du das auch?
  • Das was du dir so sehr für dich wünschst?
  • Respektierst, wertschätzt du dein Kind im Machtkampf/Konflikt?
  • Hörst du deinem Kind zu?
  • Hörst du dir selbst zu und gibst du dir selbst was du brauchst?
  • Oder unterdrückst du dich selber, deine Bedürfnisse?
  • Und pochst deshalb im Außen so sehr darauf?
  • Interpretierst du deshalb in ein “nein” deines Kindes soviel Negatives, dass du es persönlich nehmen musst? Denn “nein” heisst nicht “Mein Kind mag mich nicht, wertschätzt mich nicht, wird ein schlechter Mensch”.

Stell dir diese Fragen, schau was da hochkommt bei dir und setze, wenn du eine Veränderung möchtest, als erstes bei dir selber an statt nur dein Kind verändern zu wollen. Denn dein Kind spiegelt in den meisten Fällen einfach nur das wieder, was du tust, fühlst und denkst – um dir zu helfen, dir zu helfen hinzuschauen.

Sind diese Reaktionen von dir gar nicht so wie du es willst, wie du es dir vorgenommen hast?
Dann kann es sein, dass da unbewusste, automatische Muster ablaufen, die auf deiner eigenen Vergangenheit und deinen eigenen kindlichen Erfahrungen basieren – das ist sogar sehr häufig der Fall.

Wenn es dir dann gelingt das zu erkennen, es dir bewusst zu machen und zu verändern, dann wirst du sehen wie leicht es plötzlich fällt diese unnötigen Machtkämpfe auszulassen und wie viel seltener du das Gefühl haben wirst, dass dein Kind einfach nicht auf dich hört.

Sehr gerne unterstütze ich dich dabei, wenn du magst. Informiere dich hier über meine Beratungsangebote, lass uns miteinander im Klarheitgespräch sprechen oder komm in meine facebook-Gruppe. Ich freu mich auf dich!

 

Liebe Grüße

PS:
Hättest du gerne mehr Tipps von mir, wie du entspannt und gelassen erziehen, dein Mama-Sein richtig genießen UND die Bedürfnisse deines Kindes erkennen kannst?

Dann lade ich dich sehr gerne zum kostenlosen Coaching in meine facebook-Gruppe „Entspannte Erziehung – Entspanntes Mama-Sein“ ein.

Hier unterstütze ich Mamas dabei ihr Familienleben mit Leichtigkeit und Freude zu gestalten, eine positive Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen, gelassener zu werden und sich selbst persönlich weiterzuentwickeln.

Ich freu mich auf dich! 

Warum dein Kind nicht auf dich hört -Teil2
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