Nicht selten ist Depression Thema in meinen Beratungen.  Depressive Erkrankungen beeinträchtigen das gesamte Familienleben, fordern die anderen Familienmitglieder inklusive Kinder stark heraus und werden häufig (aus Scham es nicht hinzubekommen) nach außen geheim gehalten. Dadurch steigt natürlich auch der Druck für die gesamte Familie.

Um nicht betroffenen Mamas einen ehrlichen Einblick zu geben und bei Betroffenen diesen Druck etwas zu minimieren und sie zu ermutigen, berichtet heute Barbara von ihrem Leben als Mama mit Depression; wie es sich anfühlt, wie es sich auswirkt und welchen Weg sie gegangen ist und immer noch geht.

Mama mit Depression

Depressive Erkrankungen betreffen leider nie nur eine Person, das gesamte soziale Umfeld ist immer mit involviert.

Und wie immer trifft es am schlimmsten die ganz Kleinen – unsere Kinder.

Sie können bis zu einem bestimmten Alter überhaupt nicht verstehen was da vor sich geht, warum Mama oder Papa manchmal so merkwürdig sind.

Leider kam ich erst auf die glorreiche Idee meiner Tochter einfach zu erklären was mit mir los ist, als sie bereits acht Jahre alt war. Aber ab diesem Zeitpunkt wurde alles besser!

Heilsame Belastung Kind, wo ist die Grenze?

Wäre meine Tochter nicht, ich wüsste nicht ob ich heute diesen Artikel schreiben könnte.

Die Organisation eines Alltags mit Kind als Alleinerziehende erfordert es zwingend sich immer wieder aus den Fängen der Depression zu befreien. Schließlich müssen Kinder essen, Wäsche gewaschen bekommen und sie brauchen gemeinsame Zeit. Kinder ziehen dich immer wieder heraus aus diesem schrecklichen Sumpf – einfach weil sie da sind.

Ist das nicht schrecklich? Ein Kind bekommt die unausgesprochene Verantwortung seine Mama im Leben zu halten – eine Horrorvorstellung!

Bemerkt habe ich es irgendwann einmal an einem Papa-Wochenende:

Ich war so froh, dass dieses Wochenende nur für mich reserviert war: endlich keine Zwänge, kein Haushalt, endlich komplett ausruhen, endlich Stille. Aber was geschah war schrecklich – losgelöst von allen Verantwortungen und Pflichten bekommt die Depression die volle Macht über mich und ich habe keinen Anlass mehr dagegen an zu kämpfen. Inzwischen versuche ich meine Freizeit gut durchzustrukturieren. Ich plane bewusst „Couchzeiten“ ein, aber sorge auch dafür, dass ich Termine habe: Treffen mit Freunden, Telefonate, To-Do Listen und ähnliches.

Was passiert mit den Kindern und ihrer unsichtbaren Aufgabe?

Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass dies an unseren Kindern spurlos vorüber geht, dass sie es nicht intuitiv bemerken welch wichtige Rolle sie für uns spielen. Gott sei Dank ist meine Tochter ein sehr willensstarker Mensch, gemäß ihrem Charakter reagiert sie vor allem mit Wut, sie wehrt sich gegen diesen Job.  Sie hat Phasen, in denen sie draußen durch Aggression und unsoziales Verhalten auffällt, und bei uns daheim fliegen die Fetzen. Inzwischen weiß ich dann: „Aha, ich hab ihr schon wieder zuviel Verantwortung übergeben, Verantwortung die sie gar nicht tragen kann, sie ist wieder in Kampfbereitschaft und fordert das Recht auf Kindheit ein.“

Als ich das begriff war ich so froh wie nie, ein solch aufgewecktes, lautes und manchmal renitentes Kind bekommen zu haben!

Aber was, wenn Kinder diese Aufgabe nicht abwehren können?

Kinder die brav und angepasst sind, Kinder die schlucken und allzu bereitwillig schwere Lasten auf die kleinen Schultern nehmen?  Ich kann das nicht beantworten, aber falls du betroffen bist, dann sorge bitte dafür das dein Kind Hilfe bekommt!

Depression mal ganz kindlich gesehen

Unbelastete Menschen denken bei Depression erst mal an tiefe Traurigkeit, aber das beleuchtet nur einen Teil davon.  Für mich ist Depression ein Monster, ein Schubladen-Monster.

Es lauert in einer tiefen Schublade meines Gehirns und wann immer es Gelegenheit bekommt wächst es in mir zu einer farblosen, klebrigen, ekelhaften Melasse heran, dass sich schnell aus der Schublade befreit und sich in mir breit macht.

Es sorgt dafür, dass ich mich nur noch mühsam bewegen kann, überdeckt alle Farben aus meinem Leben und ernährt sich von meinem Lebenswillen.

Es macht mich schwer, träge und drückt mich auf meine Couch.

Alles wird EGAL, wirklich alles. Das einzige was in der Vollausprägung bleibt ist ein tiefer Selbstekel und ein Meer voller Schuldgefühle.

Im Außen zeigt es sich in langsamen schwerfälligen Bewegungen und einer undurchdringbaren Maske, das Gesicht lässt sich nur schwer zu einer Mimik bewegen, die Stimme wird eintönig. Ich bemerke das, aber es ist mir unmöglich es zu ändern, jeder Versuch wirkt völlig aufgesetzt und macht mich nur noch merkwürdiger. Meine Tochter fragt mich dann häufig ob ich böse auf sie bin und ob sie was falsch gemacht hat. Sie zieht sich zurück und geht mir aus dem Weg – Gott sei Dank!

Denn dieses Schubladenmonster hat etwas Ansteckendes, es ist in der Lage die Stimmung aller mit in den Keller zu reißen, es legt sich wie eine unsichtbare Decke über die ganze Wohnung.

Der Depression einen Namen geben

Irgendwann las ich einen Artikel darüber, wie man Kindern erklären kann was dies für eine Krankheit ist. Und mir wurde klar, dass das bei uns längst überfällig war!  Noch am selben Nachmittag erzählte ich ihr von meiner Krankheit, von meinem Schubladenmonster. Von meiner Unfähigkeit an diesen Tagen zu lachen oder mit ihr zu spielen.

 Sie hat es erstaunt und erleichtert zur Kenntnis genommen. „Dann bist du nicht böse auf mich, wenn du so schaust?“

 Um dieses Mimik-Problem zu umgehen hat sie mir doch tatsächlich die Mundwinkel mit Tesa nach oben geklebt, und was soll ich sagen…. es hat geholfen. Wir haben seither ein geheimes Zeichen und ein Mantra.  Wenn ich spüre dass das Monster aus der Schublade kommt hänge ich ein Schild mit einem schwarzen Ausrufezeichen an den Kühlschrank, damit sie Bescheid weiß. Außerdem sagen wir immer wieder gemeinsam den Satz: „Wir sind nicht schuld an dem Monster, wir haben damit nichts zu tun!“

Auch mich erleichtert dieses Mantra ungemein, es nimmt mir meine Schuldgefühle etwas falsch gemacht zu haben.

Natürlich habe ich schon etwas mit dem Monster zu tun – es ist ja schließlich meines – aber ich kann jetzt besser mit ihm arbeiten, und meine Tochter ist raus aus der Verantwortung.

Ein gutes Netzwerk ist Gold wert!

Vielleicht ist es irgendwie nachvollziehbar wenn ich gestehe, dass mir meine Krankheit tatsächlich peinlich war, schließlich bin ich selbst im therapeutischen Bereich tätig, und für mich hatte das immer so einen Touch von „Versagen“.  Aber im Nachhinein weiß ich, wie wichtig es war immer mehr Menschen einzubeziehen, zu gestehen dass ich Betroffene bin.

Denn erst mit diesen vorsichtigen Schritten ins Außen war es möglich ein tragendes Netzwerk aufzubauen.

Menschen die ich zu jeder Zeit anrufen kann, Menschen denen ich nicht erklären muss, warum meine Tochter jetzt ein wenig Fremdbetreuung braucht. Menschen die nachfragen wie es mir geht, wenn sie länger nichts von mir gehört haben. Und nicht zuletzt: Menschen die mir heilen helfen. Seit ich angefangen habe nach draußen zu gehen heile ich – Schritt für Schritt!

Es fühlt sich an, also ob es wirklich nicht mehr weit ist!

Seit diese Prozesse laufen hatte ich nur noch vereinzelte Stunden mit meinem Monster. Hoffnung und Leichtigkeit sind bei uns eingezogen, endlich!

Alles was mir gut tut verarbeite ich in meinem Blog „Vision Leichtigkeit“

Durch meine Kämpfe mit dem Schubladen-Monster habe ich vieles hervorgekramt was ich lange vergessen hatte: Die Liebe zur Natur, meine Kreativität und nicht zuletzt meine sensitiven und medialen Fähigkeiten als Heilerin – dafür bin ich dem Monster richtig dankbar!


Herzlichen Dank, Barbara, für deine persönliche Geschichte. Ich hoffe du kannst mit deinem Blog vielen betroffenen Mamas Mut machen.

 

Liebe Grüße

PS:
Hättest du gerne mehr Tipps von mir, wie du entspannt und gelassen erziehen, dein Mama-Sein richtig genießen UND die Bedürfnisse deines Kindes erkennen kannst?

Dann lade ich dich sehr gerne zum kostenlosen Coaching in meine facebook-Gruppe "Entspannte Erziehung - Entspanntes Mama-Sein" ein.

Hier unterstütze ich Mamas dabei ihr Familienleben mit Leichtigkeit und Freude zu gestalten, eine positive Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen, gelassener zu werden und sich selbst persönlich weiterzuentwickeln.

Ich freu mich auf dich!

„Bist du böse auf mich Mama?“ – vom Spagat einer Mama mit Depression
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