Jede Mama beschäftigt sich irgendwann mit dem Thema „Tragen“; entweder bereits während der Schwangerschaft oder spätestens sobald der Nachwuchs auf der Welt ist.

Mittlerweile gibt es hunderte verschiedener Tragehilfen auf dem Markt; vom klassischen Tragetuch, über Tragesäcke bis hin zu Slings oder Pods. Die Entscheidung fällt hier oftmals schwer und viele frischgebackene Eltern sind unsicher, welche Trage denn nun optimal für´s Kind ist.

Hanna, die heutige Gastautorin, ist irgendwas in den 30ern und bloggt seit ihrer Schwangerschaft mit dem Rubbelbatz (20 Monate) auf dem gleichnamigen Familienblog. Vor kurzem hat sie außerdem eine Seite mit Trage-Tipps und Ratgeber  ins Leben gerufen.

Im heutigen Gastartikel will Hannah diesen Druck bei der Wahl der richtigen Tragehilfe etwas verringern und dir Mut machen dein Kind, ohne Angst dabei etwas falsch zu machen, einfach zu tragen.

Tragen

Meine ersten Schritte in der Welt des Tragens

Unser Sohn war erst wenige Tage alt, als wir ihn zum ersten Mal in den Glückskäfer Tragesack steckten und sein Papa mit ihm draußen herumlief. Vorher hatte er fürchterlich geweint, in der Trage beruhigte er sich sofort.

Ausgerechnet der Glückskäfer? Werden jetzt erfahrene Tragemütter aufschreien. Es kommt noch besser: Keiner von uns hatte vorher irgendwelche Erfahrungen mit dem Tragen von Neugeborenen. Wir hatten keine Trageberatung besucht und uns nicht ausführlich über Risiken und Nebenwirkungen im Internet informiert. Meine Tante hatte uns die Trage geschenkt. Wir hatten sie zu Hause und unser Kind weinte. Also haben wir es ausprobiert.

Haben wir etwas falsch gemacht? Mein Weg zum „Trageexperten“

Einige Zeit später, als sich der erste Stress nach der Geburt gelegt hatte, fing ich dann an, mich intensiver mit dem Thema Tragen zu beschäftigen – und stellte schnell fest, was ich alles beachten hätte müssen! Wir hatten den Glückskäfer Tragesack ja gar nicht perfekt an den Körperbau unseres Babys angepasst! Wer weiß, ob er wirklich in der Anhock-Spreiz-Haltung gesessen hat?! Vielleicht war gar seine Wirbelsäule nicht ausreichend gestützt?! Ich machte mir innerlich große Vorwürfe.

Auf der Straße sah ich Eltern, die ihre Babys in Tragen von Baby Björn oder anderen „schlechten“ Herstellern trugen und Tragetücher, die gar nicht richtig gebunden waren. Am liebsten hätte ich jeden von ihnen angesprochen und gezwungen, die Tragen auf der Stelle zu verbrennen. Kurzum: innerhalb kürzester Zeit war ich eine vermeintliche „Expertin“ geworden und verurteilte Menschen wie mein früheres Ich, die ohne Sorge und viel Nachdenken trugen.

Woher ich all mein „Expertenwissen“ hatte? Na, aus dem Internet natürlich!

Man braucht doch nur mal einer entsprechenden Facebook-Gruppe beitreten und schon sieht man, wie ein Tragetuch eigentlich nie ganz perfekt gebunden ist und dass es fast keine Babytrage gibt, an der nicht irgendetwas suboptimal oder verbesserungswürdig ist. Irgendwer meckert immer. Man braucht nur auf entsprechenden Ratgeberseiten stöbern oder in Elternblogs forschen, um zu erfahren, wie schnell Kinder einen Wirbelsäulenschaden oder eine schiefe Hüfte bekommen. Oder?

Tragen

Ist Tragen wirklich so gefährlich?

Eines Tages, unser Sohn war etwa ein Jahr alt, ließ ich mich auf ein Treffen mit einer beratenden Hebamme der Firma Baby Björn ein. Entgegen meiner Erwartungen hatte sie einige Informationen für mich, die ich bisher nicht im Internet gefunden hatte. Dass, obwohl es die Firma Baby Björn seit vielen Jahrzehnten gibt, keine Kinder nachweislichen Schaden davon getragen haben zum Beispiel. Dass die Anhockung für Kinder nur dann so immens wichtig ist, wenn die Hüftgelenke sich nicht richtig entwickeln. Zunächst wollte ich diese Informationen gar nicht glauben.

Ich machte mich also auf die Suche nach der Grundlage für die Gefahren vom falschen Tragen. Denn die musste es doch geben. Zugänglich für alle, so dass sich die bekannten Meinungen so weit verbreitet hatten.

Du ahnst es vielleicht: es gibt sie nicht. Ich habe Bücher zum Thema gelesen, Trageberatungen besucht und viel recherchiert. Ich habe viele Hinweise und wissenschaftliche Begründungen gefunden, warum richtiges Tragen für die Entwicklung von Babys förderlich ist. Wie Tragen in der Anhock-Spreiz-Haltung die gesunde Hüftentwicklung fördert und eine Hüftdysplasie verhindern kann zum Beispiel.

Belege für das Gegenteil, nämlich dass falsches Tragen Kinder nachhaltig schädigt, existieren nur in Extremfällen. So gibt es zum Beispiel Kulturen, in denen Babys auf sog. Tragebretter gebunden werden – im Glauben, dass sich so ihre Wirbelsäule und ihre Beine begradigen ließen. In diesen Kulturen liegt die Rate an Hüft-Fehlbildungen bis zu 10 Mal höher als anderswo. Dass aber ein Kind in der Entwicklung geschädigt wurde, weil es zeitweise nicht perfekt angehockt war oder in einer Trage mit schmalem Steg getragen wurde, dafür habe ich keinerlei fachliche Nachweise gefunden.

Tragen ist vor allem hilfreich

Wäre auch unlogisch. Schließlich hieße das, dass Menschen seit jeher die richtige Tragehilfe wählen müssten, damit ihre Babys sich gesund entwickeln. Dabei wurden Babys wohl den Großteil der menschlichen Evolutionsgeschichte einfach so auf dem Arm getragen. Die richtige Haltung einnehmen können sie daher eigentlich ganz von selbst – vorausgesetzt man hindert sie nicht daran, wie in dem Beispiel mit den Tragebrettern. Auch die Wirbelsäule wird beim Tragen auf dem Arm nicht gestützt. Hatten Steinzeitbabys also alle Wirbelsäulenschäden?

Letztlich bin ich zu folgendem Schluss gekommen: All diese Gerüchte und Kritik bewirken vor allem, dass Trageeltern, die sich ausgiebig informieren, abgeschreckt werden. Natürlich ist es wichtig und richtig, Informationen über die „ideale“ Haltung beim Tragen verfügbar zu machen. Dazu gehört aber nicht die implizite Drohung, das Kind würde sofort Schäden davontragen, wenn man diesen Punkten nicht gerecht wird. Denn das verunsichert Anfänger und hält einige am Ende davon ab, überhaupt zu tragen. Dabei ist Tragen doch vor allem eines: wunderschön und gut für alle Beteiligten. Ich finde es schön, dass immer mehr Eltern ihre Babys und Kleinkinder nah am Körper tragen und würde mir wünschen, dass sie dabei von anderen Eltern bestärkt statt verunsichert werden. Ein „Aber“ hat beim Tragen nichts zu suchen. Es ist einfach nur schön, wenn jemand sein Baby trägt. Punkt.

Ich danke Hannah für ihre Gedanken zum Thema „Tragen und Tragehilfen“ und kann ihrem Rat dies ganz natürlich und entspannt anzugehen, absolut zustimmen.

Wie ist das bei dir? Welche Tragehilfe benutzt oder hast du benutzt? Bist oder warst du auch verunsichert von den vielen Informationen und Warnungen bzgl. Haltungsschäden? Ich bin sehr gespannt auf deinen Kommentar…

Liebe Grüße

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Über den Autor

 

Stefanie Wenzlick ist Diplom-Pädagogin (Univ.), Medienpädagogin und selbst Mama von 3 Kindern. Auf ihrem Blog gibt sie praktische Tipps und Anregungen rund um ein entspanntes Familienleben, Erziehungstipps, Kreatives, Shoppingtipps und Familienurlaub.

Nachdem sie über 10 Jahre lang Familien und Mütter vor Ort beraten und begleitet hat, ist sie nun auch online als Mamacoach und Erziehungsberaterin tätig. Sie unterstützt Frauen dabei entspannt und mit Leichtigkeit ihren vielen Rollen (Mutter, Partnerin, Freundin, Arbeitnehmerin etc.) gerecht zu werden, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und trotzdem eine gute Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen.
Mehr dazu unter www.emmali-coaching.de

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Tragen ist keine Wissenschaft – Lass dich nicht verunsichern
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