Die meisten Eltern wünschen sich, dass ihr Kind verantwortungsvoll mit Geld umgehen kann, es möglichst sinnvoll ausgibt und viel spart. Damit ist oft die Hoffnung verbunden, dass es so später im Erwachsenenalter frei von Geldsorgen leben kann.

Doch viele wissen nicht wie sie das am Besten angehen, wie sie ihr Kind hier konkret unterstützen und anleiten können bzw. ob sie es überhaupt sollen.
Aus diesem Grund hat es sich Sozialpädagogin (B.A.) Jasmin Höcherl mit ihrem Blog Finanzkidz zur Aufgabe gemacht Familien genau in diesem Bereich zu unterstützen. In diesem Artikel möchte sie dir hier exklusiv ein paar Tipps an die Hand geben, um deinem Kind den Umgang mit Geld positiv näher zu bringen.

Eine aktuelle Studie des Kreditinstituts Comdirect hat offen gelegt, dass junge Heranwachsende nicht gerne über Geld sprechen! So äußert sich nur jeder zweite Jugendliche offen zu dem Thema. Bei Mädchen sind es sogar noch weniger. Nur jede Dritte ist bereit, über Geld zu sprechen. 

Dass dies kein Tabuthema sein sollte, wird im folgenden Artikel näher beleuchtet.

Die Reitausrüstung, die Fußballschuhe oder der Schulausflug in die Jugendherberge – all das ist teuer und als Elternteil möchte man seinen Kindern die Möglichkeit der individuellen Potenzialentfaltung natürlich nicht verwehren.

Doch wo kommt das Geld her? Von den horrenden Zinsen auf dem Sparbuch sicherlich nicht und vom Fenster kommt es bislang leider auch nicht hereingeflogen. Die weitgehende Ansicht, dass man über Geld nicht spricht, führt zu einer gesellschaftlichen Tabuisierung. Dies wiederum hat zur Folge, dass viele junge Heranwachsende nicht ausreichend finanziell gebildet und mit ihren Finanzen später überfordert sind. Da die Schule meist auch einen großen Bogen um das Thema macht, liegt es an uns, den Kleinen das Thema näher zu bringen. Schließlich wünscht sich jedes Elternteil, dass sein Kind später eine gute und abgesicherte Zukunft hat.

Der finanzielle Aspekt ist eine wichtige Grundlage für diesen Wunsch. Es gibt aber Wege und Möglichkeiten, Kinder bereits frühzeitig „finanzfit“ zu machen.

Kindern den Umgang mit Geld beibringen – so klappts!

1. Als Elternteil eine positive Einstellung zum Geld vorleben

Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal (positiv) über Geld in deiner Familie gesprochen?
Bevor du deinem Kind den Umgang mit Geld näher bringen kannst, solltest du zuerst deine eigene Einstellung zum Geld reflektieren. Oftmals haben wir diese nämlich von unserem eigenen Elternhaus übernommen und nie hinterfragt.

Frag dich:

  • Wie stehen meine Eltern zu ihren Finanzen?
  • Was denke ich momentan über Geld?
  • Und wie soll meine Einstellung in Zukunft aussehen?

Nimm dir dazu ruhig Zeit und mach dir ein paar Notizen. Als Elternteil hast du nun die Vorbildfunktion für deine eigenen Kinder inne. Somit hast du es auch in der Hand, was du deinem Kind vermitteln möchtest.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei unsere Kommunikation. In Bezug zum Geld, sollte beispielsweise ein Satz wie
„Wir haben kein Geld!“
vermieden werden, da sich so ein Mangel und möglicherweise eine Einschränkung im Zusammenhang mit Geld im Gehirn verankert.
Kinder neigen bei solchen Formulierungen auch eher zum vorzeitigen Aufgeben.

Eine alternative Lösung könnte lauten:
„Wie können wir uns X leisten?“
Hier wird nämlich der Denkapparat auf kreative Weise dazu angeregt, über Möglichkeiten, sich einen Wunsch erfüllen zu können, nachzudenken. Die Kinder kommen so ins Tun und werden in ihren Fähigkeiten gestärkt.

Trau dich ruhig, offen mit deinem Partner über Geld zu sprechen! Dein Kind soll durchaus erfahren, dass Mama oder Papa zum Beispiel durch die Arbeit Geld bekommen oder das die Wohnung Miete kostet. Die Thematik soll nicht tabuisiert, sondern normalisiert werden.

Das Ziel soll sein, eine offene und positive Einstellung zum Geld in der Familie zu entwickeln, denn über Geld spricht man! Spätestens wenn der Karren im Dreck gelandet ist, wird das Thema im Alltag einer Familie präsent. Mangel und Streit werden jedoch sicherlich keine positive Einstellung bei deinem Kind hervorrufen. Im Gegenteil: Es wird auf Dauer einen großen Bogen um Geld machen, um negative Erfahrungen zu vermeiden.

2. Basiswissen zu Geld und Wirtschaft vermitteln

Theorie und Praxis gehören natürlich zusammen. Ein gutes theoretisches Basiswissen erleichtert aber den Einstieg und den späteren Umgang mit Geld. Da die kindliche Neugier schier grenzenlos ist, kann diese in bestimmten Situationen aufgegriffen und vertieft werden. Deinem Kind sollte jedoch nichts aufgezwungen werden.

Zeigt es bspw. Interesse an Geldscheinen und Münzen, die am Tisch liegen? Erklär ihm was Geld überhaupt ist! Schmeißt du als gutes Vorbild vor deinem Kind Münzen in eine Spardose? Wieder eine gute Gelegenheit  sich dem Thema gemeinsam anzunähern!

Gut eignen sich dazu auch verschiedene kindgerechte Bücher, die gemeinsam durchgearbeitet werden können. Zum Beispiel folgende:

oder

Grundlegende Basisthemen wären zum Beispiel:

  • Was ist Geld? Seit wann gibt es Geld? Wofür ist es da?
  • Warum müssen Erwachsene arbeiten?
  • Was macht eine Bank?
  • Wofür bekommen und geben wir Geld aus? (Einnahmen- und Ausgaben)
  • Brauchen wir alles, was wir kaufen? (Stichwort: Übermäßiger Konsum)

Die bevorzugten Fragestellungen können sich bei jeder Familie unterscheiden. Hat ein Elternteil bspw. ein eigenes Unternehmen, werden sich die Themen früher oder später auch in diese Richtung bewegen. Wieder anders wird es bei Familien sein die einen ökologischen Lebensstil bevorzugen.

Bei all diesen individuellen Aspekten, ist jedoch eines besonders wichtig: Kinder sollen einen reflektierten Umgang mit diesem Wissen erlernen. Es gibt nicht nur eine Ansicht oder Meinung, sondern viele. Umso breiter du als Elternteil das angebotene Wissen fächerst, desto offener und reflektierter werden deine Kinder sein.

Auch hier greift wieder die Vorbildfunktion. Besuche nicht nur einen Bankberater, sondern mehrere und informiere dich über Geldanlagen für deine Kinder, idealerweise nicht nur auf einer Internetseite.

3. Spielerisch den Umgang mit Geld begreifen

Lernen ist immer ein aktiver Prozess, deswegen begreifen Kinder den Umgang mit Geld auch am besten, wenn sie ins Tun kommen und dabei Spaß haben.

Dies kann bei kleinen Kindern mit dem Kaufmannsladen wunderbar gelingen.

Der spielerische Umgang mit Geld und Lebensmitteln, bringt den Kindern einfache Grundkenntnisse aus der Wirtschaft und des Handelns bei. Gleichzeitig wird die Sozialkompetenz und die Vorstellungskraft gefördert, da die Kleinen in verschiedene Rollen schlüpfen.

Ich empfehle hier das Alter von ungefähr 4 Jahren, da sich Kinder zu dieser Zeit verstärkter dem Rollenspiel zuwenden.

Kinder lieben Geschichten! Wissen, das vermittelt werden möchte, kann ganz einfach in einer kleinen Geschichte verpackt werden!

Kennst du zum Beispiel das Finanzkrokodil? Es hat heute nur Appetit auf 10 Cent Stücke,  aber um satt zu werden, benötigt es insgesamt 1 Euro! Ob dein Kind dir wohl dabei helfen kann, das Krokodil zu füttern? 🐊

Auf einem Tisch können nun verschiedene Münzen platziert werden und dein Kind soll dir dabei helfen, die passenden 10 Cent Stücke herauszusuchen. Dabei wird nicht nur der Umgang mit Geld trainiert, sondern auch das Rechenverständnis ganz nebenbei geschult. Wie viel 10 Cent Stücke benötigt man für einen 1 Euro? Genau 10! Einfache alltagsbezogene Mathematik, die den Kindern Spaß macht!

Mit diesem Ansatz fährst du ab der Grundschule (ab 7-8 Jahren) gut, da die Kinder kognitiv schon soweit entwickelt sind und in der Schule die Grundkenntnisse vom Rechnen vermittelt bekommen.

Bei Kids bis zwölf Jahren eignen sich themenspezifische Brettspiele besonders. Da sie ja schon zu den „Großen“ gehören, wollen sie auch dementsprechend unterhalten werden. Bei diesen Spielen kannst du ihnen trotzdem noch viel erklären und nebenbei gemeinsam Zeit mit ihnen verbringen.

4. Kinder partizipativ und altersgerecht in Geldprozesse einbinden

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind „soweit“ ist, kannst du es behutsam in bestimmte Prozesse rund um das Thema Geld einbinden. Die Devise lautet dabei: Fordern aber nicht überfordern!

Wie wäre es, wenn du vor dem nächsten Einkauf eine Liste schreibst und dein Kind mit überlegen lässt, welche Lebensmittel zum Beispiel für Spaghetti Bolognese benötigt werden? Durch die partizipative Einbeziehung, wird das Selbstwertgefühl des Kindes gestärkt und gleichzeitig erklärst du ihm:

  • Welche Lebensmittel für ein Gericht benötigt werden
  • Das Vergleichen von unterschiedlichen Produkten/Preisen im Geschäft
  • Essen kostet Geld
  • Spaghetti Bolognese besteht aus mehreren Lebensmitteln und kommt nicht fertig aus dem Topf geflogen
  • Kochen benötigt Zeit

Letzteres lässt sich auf den ersten Blick nicht gleich als Geldprozess einordnen, doch besteht zwischen Zeit und Geld ein wichtiger Zusammenhang: Die meisten von uns tauschen Zeit gegen Geld und da erwarten wir natürlich – wie beim Essen – königlich entlohnt zu werden.

Kinder können auch beim Haushaltsplan mit einbezogen werden! Am besten eine Blankoliste mit den jeweiligen Ein- und Ausgaben des Hauses aufstellen und die Kinder zuordnen lassen. Ist die Telefonrechnung eine Einnahme? Wohl eher kaum. Also ab auf die Ausgabenseite!

So bekommt dein Kind ein Gefühl dafür was Geld kostet und was Geld bringt.

5. Taschengeld einführen

Mit dem eigenen Taschengeld lernen Kinder einen selbstständigen und eigenverantwortlichen Umgang mit Geld. Es kann bereits unter 6 Jahren wöchentlich eingeführt werden. Wer sich über Höhe, Zeitintervall und Alter unsicher ist, schaut auf der Seite des Deutschen Jugendinstituts vorbei. Dort gibt es den Taschengeldkalender.

Sicherlich geben viele Kinder ihr Taschengeld für Süßigkeiten oder Zeitschriften aus. Auch wenn uns das im ersten Augenblick als nicht sinnvoll und zielführend erscheint, so ist es doch wichtig, Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen.

Als Elternteil solltest du darauf achten, dass du das Taschengeld immer regelmäßig auszahlst und es nicht an Bedingungen knüpfst à la „Wenn du eine 4 in Mathe hast, bekommst du diesen Monat kein Taschengeld!“.

Dein Arbeitgeber zahlt dir schließlich auch jeden Monat dein Gehalt und das obwohl du manchmal auch nicht 100% produktive Tage hast.  

Im Zusammenhang mit den vorangegangenen Geldprozessen, kann man auch hier Kinder wieder ermutigen, einen eigenen „Budgetplan“ zu erstellen. Was ist zum Beispiel Taschengeld? Einnahme oder Ausgabe? Was ist eine Zeitschrift?

Wenn die Kinder einen bestimmten Wunsch hegen, kann man sie auch zum Sparen anregen und gemeinsam mit ihnen über zusätzliche „Einnahmequellen“ nachdenken.

Wichtig beim Taschengeld: Kinder benötigen einen vertrauensvollen Freiraum, in dem sie sich selbst Erproben können. Die Aufgabe der Eltern ist eine konsequente Auszahlung des Geldes und ein offener Umgang.

Danke Jasmin für Deine Tipps!

Ich hoffe, dass ein paar Anregungen für dich und deine Familie dabei waren. Vielleicht hast auch du Tipps, die bei deinem Kind besonders gut geklappt haben?
Dann lass es uns in den Kommentaren wissen…

Liebe Grüße


Jasmin Höcherl ist Sozialpädagogin (B.A.) und werdende Mama. Sie möchte Familien und insbesondere Kinder zu einem selbstbewussten und reflektierten Umgang mit Geld ermutigen! So entstand Finanzkidz. Alle Familienmitglieder sollen ihre Potenziale – frei von Geldsorgen – entfalten können.

Verwendete Quellen:

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/laut-studie-85-prozent-der-jungen-leute-sparen-regelmaessig-16323674.html?fbclid=IwAR1mochG-mnbETw-9eXkD9FZ5VzPw0rdGZKG6S9nh67q7jMu-0zmPypyDOQ

https://www.dji.de/themen/jugend/taschengeld.html


PS:
Hättest du gerne mehr Tipps von mir, wie du entspannt und gelassen erziehen, dein Mama-Sein richtig genießen UND die Bedürfnisse deines Kindes erkennen kannst?

Dann lade ich dich sehr gerne zum kostenlosen Coaching in meine facebook-Gruppe „Entspanntes Mama-Sein“ ein.

5 Tipps um deinem Kind den Umgang mit Geld näher zu bringen
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