Viele Eltern wünschen sich, dass ihr Kind den richtigen Umgang mit Geld lernt, sie möchten, dass ihr Kind optimal auf die Zukunft vorbereitet wird und im Erwachsenenalter mit den vorhandenen finanziellen Mittel sicher und klug umgehen kann.

Wünschst auch du dir, dass dein Kind sein Taschengeld zumindest teilweise spart, dein Teenager nicht jeden Euro sofort in hippe Klamotten oder Kosmetik investiert und anfängt finanziell ein bisschen langfristiger zu planen?

Adrienn von Toth ist Trainerin für Kinderfinanzen, Gründerin von Richfamily und beantwortet für dich im Interview einige wichtige Fragen dazu, wie du deinem Kind im Alltag den gesunden Umgang mit Geld beibringen kannst.

umgang mit geld kinder

Frage 1: Finanztrainer bzw. Finanzcoach speziell für Kinder klingt etwas ungewöhnlich. Warum hast du dich auf dieses Thema spezialisiert?

Es war bei mir nicht so, dass ich mich eines Tages entschlossen habe: „So, Adrienn, ab heute bist du eine Spezialistin im Bereich Kinderfinanzen.“ Eigentlich habe ich diese Spezialisierung einer Notsituation vor ca. 6 Jahren zu verdanken. Aus dieser Mangelsituation heraus habe ich damit angefangen meine Kinder auf die Zukunft vorzubereiten und mittlerweile ist es meine Leidenschaft (ohne Leiden), mein Lieblingsthema und meine Berufung geworden.

Je mehr ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, desto mehr wurde mir bewusst, dass es in dieser konsum- und leistungsorientierten Welt extrem wichtig ist eine hohe Finanzkompetenz zu haben.

„Wer keine Entscheidungen für sich treffen kann, für den und über den entscheiden eben andere Menschen.“

Ich finde es enorm wichtig Kinder auf den Umgang mit Finanzen vorzubereiten. Schließlich müssen sie später in der Lage sein sich um sich selbst zu kümmern, selbständig zu denken und zu handeln, um ein Leben zu führen, dass sie erfüllt und glücklich macht. Dazu gehört für mich v.a. auch die finanzielle Kompetenz (FQ), um sinnvolle und kluge Entscheidungen zu treffen.

Frage 2: Wann sollte man mit der Finanzbildung seiner Kinder beginnen?

Je früher, desto besser.

Finanzielle Kompetenz zu erlernen braucht Zeit. Es ist vergleichbar mit dem Erlernen eines Instruments. Ist es innerhalb eines Monats möglich ? Eher nicht. Es braucht Übung, Geduld und Durchhaltevermögen bis das Spiel angenehm klingt. Genau so verhält es sich auch mit finanzieller Kompetenz.

Kinder lernen durch Erfahrungen, deswegen funktioniert das heutige Schulsystem auch so schlecht; ein Schulsystem in dem sich Kinder einem Rahmen anpassen müssen, welcher keine oder nur wenige reale Erfahrungen ermöglicht.

Da also die Kinder nur durch Erfahrungen Geld begreifen und den Umgang damit erlernen können, braucht es Zeit für Erkenntnisse. Denn nur was Kinder selber erleben, wird sie langfristig prägen.

Zum Starten eignen sich 3 mögliche Zeitpunkte:

  • dein Kind zeigt von sich aus großes Interesse am Geld
  • dein Kind wird eingeschult
  • bei auftretenden Problemen im Umgang mit Geld (nicht sparen können, Jugendschulden, Kaufzwang, Geld stehlen)

Je älter die Kinder sind, desto mehr Geld, Energie und Zeit kostet es dich ihnen den richtigen Umgang mit Geld zu lernen. Im Jugendalter sind Anischten, Verhalten und Charakter schon sehr gefestigt und dein Kind wird deinen Rat und deine Tipps schwerer annehmen können.

Adrienns Tipp:

Frage dich, wo dein "Game over-Punkt" ist. Du hast 6570 Tage Zeit dein Kind nicht nur in Geldfragen, sondern in allem anderen, zu stärken und zu begleiten, damit es selbständig wird. Das heißt 6570 Tage von der Geburt bis zur Volljährigkeit, oder genauer 157.680 Stunden oder 9.460.800Minuten.

Also wieviele Tage hast du noch zur Verfügung? Je weniger, desto schneller solltest du beginnen.

3 wichtige Faktoren, die über Erfolg oder Mißerfolg entscheiden werden:

  • Regelmäßigkeit (nur alle 3-4 Monate Taschengeld zu geben reicht nicht aus)
  • Konsequenz der Eltern (bleib am Ball mit deinem Vorhaben)
  • Strategie (ohne Strategie hast du keine Richtung, vergleichbar mit einem Schiff ohne Navigation)

Frage 3: Welche Vorteile bringt die frühe Finanzbildung für mich und mein Kind?

Wie eben schon erwähnt haben dein Kind und du dadurch wesentlich mehr Zeit zu lernen und gemeinsam zu wachsen. Dein Kind soll und darf Fehler machen, aus denen es dann lernen kann.

Vorteile für die Eltern:

  • Klarheit über die Finanzen (wieviel kostet dein Kind?)
  • weniger Stress mit deinem Kind bzgl. Geld durch einen Plan und eine Strategie
  • Gelassenheit und entspannte Haltung rund um das Thema Finanzen
  • eigene Weiterentwicklung beim Thema Finanzen und damit einhergehend positiver Einfluss auf andere Lebensbereiche
  • weniger Kosten, weil dein Kind mehr richtige finanzielle Entscheidungen treffen wird

Vorteile für die Kinder:

  • Erfahrungen sammeln mit Geld
  • positiver Umgang mit Geld
  • mutiger im Umgang mit Geld
  • kreativer
  • Zusammenhang von Ursache und Wirkung wird erkannt
  • erleben Konsequenzen finanzieller Handlungen
  • denken strategischer
  • Sicht auf Geld wird ganzheitlich
  • Geld wird ihr „Freund“

Diese Vorteile für die Kinder können aber nur dann nachhaltig gelingen, wenn sie von den Bezugspersonen vorgelebt und richtig vermittelt werden.

Frage 4: Aber wie genau fängt man jetzt am Besten an?

Das ist natürlich abhängig vom Alter, denn mit einem Jugendlichen kannst du viel tiefer ins Thema einsteigen als mit einem 5-jährigen.

Grundsätzlich rate ich folgendes Vorgehen:

  • gib deinem Kind Taschengeld sobald es in die Schule kommt
  • motiviere dein Kind zum Sparen und Arbeiten (eine DIY-Anleitung für individuelle Spardosen findest du hier…klick)
  • entwickle dem Geld gegenüber Wertschätzung und Freude und lebe diese vor
  • denke und rede positiv über Geld
  • sprich auch mit deinen Kindern offen über Finanzielles
  • gib deinem Kind Einblicke in die Familienfinanzen
  • beziehe dein Kind in finanzielle Entscheidungen mit ein
  • gestalte spannende und kreative Finanznachmittage (z.B. Besuch im Geldmuseum, in der Bank über Geldkreislauf informieren, Autokauf simulieren)

Diese Artikel von Robert T. Kiyosaki geben weitere Anregungen; Cashflow z.B. ist ein sog. smartes Spiel*


Spiele mit deinem Kind auch immer wieder sog. smarte Spiele, um dein Kind an strategisches und logisches Denken heranzuführen. Fördere die Kreativität deines Kindes ( mehr Tipps dazu hier…klick), um sie zu mehr Erfindergeist und kreativen Lösungen zu ermutigen. Alles was dein Kind aktiv fordert und wo Lösungswege gefunden werden müssen, trägt dazu bei, dein Kind bei der Finanzbildung zu unterstützen.

Frage 5: Worauf sollten Eltern bei der Finanzbildung besonders achten?

Eltern sollten von ihrem Kind nichts erwarten, was sie selber nicht machen. Geduld und Durchhaltevermögen ist für beide Seiten sehr wichtig, damit Ergebnisse und Erkenntnisse gesammelt werden können.

Eltern sollten sich auch an ausgesprochene Regeln halten; wenn du also gesagt hast, dass es keine Extra-Taschengeld gibt, dann halte dich auch daran, auch wenn dein Kind dann auf eine bestimmte Sache länger warten muss.

Überlege dir welche Werte dir und deinem Partner wirklich wichtig sind und welche ihr eurem Kind vermitteln wollt. Frage dich was du willst und was nicht, warum du mit der Finanzbildung deines Kindes beginnen möchtest und was dein Kind lernen soll. Schreibe dir das auf und entwickle diesbezüglich einen Plan, eine Strategie.

Frage 5: Was sind die 3 wichtigsten Tipps, die du den Eltern mit auf den Weg geben möchtest?

1. Der richtige Zeitpunkt

Fang einfach an und warte nicht darauf bis du perfekt vorbereitet bist. Finanzbildung ist ein Weg auf dem sich jeder Einzelne und auch die Methoden verändern werden. Auch dein Plan ist nicht in Stein gemeißelt. Beginne es wie eine Reise, wie ein Spiel und sei offen für Neues.

Fange JETZT an mit dem, was du schon hast. Das kann ein Gespräch über Geld sein, es kann ein Teenie-Projekt sein, eine Monoploy-Challenge oder ein Kaufladen mit dem ihr die große Welt nachspielen könnt. Mach den ersten Schritt!

2. Vorbild sein

In der Erziehung ist Führung durch Vorbild der Königsweg. Beschäftige dich also unbedingt mit deinen eigenen Finanzen und deiner eigenen Finanzbildung. Dein Kind lernt wesentlich mehr aus deinen Taten als aus deinen Worten.

Wenn du dich im Kaufrausch verlierst, Frustkäufe tätigst, dein Partner alles Mögliche auf Raten kauft und ihr Schuldenberge anhäuft, dann kannst du solange zureden und argumentieren, wie du willst; es wird sehr wenig Wirkung haben.

Wenn du möchtest, dass dein Kind lernt richtig mit Geld umzugehen, dann achte auf deine Gewohnheiten und dein Verhalten. Bevor du also irgendetwas von deinem Kind erwartest, prüfe bei dir nach, ob du selbst schon Meister darin bist.

Du musst kein Finanzexperte sein, wenn du deinem Kind den richtigen Umgang mit Geld beibringen möchtest, doch wenn du ein negatives Geldbewusstsein hast, wirst du genau das an dein Kind weitergeben.

3. Ins Handeln kommen

Ohne den ersten Schritt, einen Plan oder eine Strategie bleibt jedes Vorhaben nur ein Traum. Ich kenne viele Eltern, die nur jammern, dass ihre Kinder so schlecht mit Geld umgehen und in jungen Jahren schon Schulden machen würden; trotzdem sind sie nicht bereit aktiv zu werden.

Wichtig ist zu wissen, dass du nichts dagegen machen musst, aber du solltest etwas dafür tun, dass dein Kind anfängt anders mit Geld umzugehen. Dazu gehört dann vielleicht auch, Ausreden, Ablenkungen und dauernde socialmedia-Anwesenheiten zu reduzieren und ins Tun zu kommen.

Mache einen Plan und geh los; regelmäßig, konsequent und diszipliniert. Investiere deine Zeit, Energie und auch dein Geld.

„Im Leben geht es nicht darum, sich zu wünschen, jemand anderes zu sein. Im Leben geht es darum, zu lieben, wer man ist und sich beständig zu verbessern.“

Hal Elrod

Fazit:

Die Kinder entwickeln sich in ihrer Persönlichkeit, wenn sie anfangen sich mit Finanzen zu beschäftigen. Es geht dabei um mehr als nur um Geld. Es geht um die Fähigkeit sich stetig zu verbessern und ein erfülltes Leben führen zu können. Dafür eignet sich Geld als Werkzeug ideal, denn es zeigt genau an, wo du mit deiner Selbstliebe stehst.

Kinder die dies jung erfahren, entwickeln Vertrauen und Zuversicht darin ihr Leben gut meistern zu können. Dabei geht es nicht darum verbissen zu sparen und Geld geizig anzuhäufen. Wohlstand bedeutet für mich Wachstum, wie in der Natur. Deshalb ist es für mich so erfüllend Kinder und Teenager für das Leben stark zu machen und ihnen einen gesunden Umgang mit Geld beizubringen. Und das Beste, das alles macht sogar Spaß!

Zur Person:

Adrienn von Toth ist Trainerin für Kinderfinanzen und hilft vielbeschäftigten Eltern schnell und effektiv ihren 8-16-Jährigen Kindern den gesunden Umgang mit Geld beizubringen. Ihr Angebot „Happy Monday Coachings“ ist für alle Eltern, die das Gefühl haben, dass ihr Geldfluss stockt, um Geldblockaden aufzuspüren und zu lösen.

Adrienn liebt und lebt mit ihrem Mann und 4 Kindern im Alter von 1, 11, 15 und 17 Jahren am Bodensee in der Schweiz. Ihr Motto ist „Es ist nicht entscheidend wieviel du hast, sondern wie du damit umgehst!“

richfamilyclub
Bildquelle@richfamily

Näheres zu ihr und ihren Angeboten findest du hier auf der Webseite von Richfamily.

 

kinder finanziell bilden

Ich sage „danke“ für dieses Interview an Adrienn und hoffe, dass du ein paar Anregungen bekommen hast, wie du deinem Kind den richtigen Umgang mit Geld vorleben und beibringen kannst. Hat dir das interview gefallen oder hast du noch weitere Tipps oder Anregungen? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar!

Liebe Grüße

PS:
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Über den Autor

 

Stefanie Wenzlick ist Diplom-Pädagogin (Univ.), Medienpädagogin und selbst Mama von 3 Kindern. Auf ihrem Blog gibt sie praktische Tipps und Anregungen rund um ein entspanntes Familienleben, Erziehungstipps, Kreatives, Shoppingtipps und Episoden aus dem Alltag mit 3 Kindern.

Nachdem sie über 10 Jahre lang Familien und Mütter vor Ort beraten und begleitet hat, ist sie nun auch online als Mamacoach und Erziehungsberaterin tätig. Sie unterstützt Frauen dabei entspannt und mit Leichtigkeit ihren vielen Rollen (Mutter, Partnerin, Freundin, Arbeitnehmerin etc.) gerecht zu werden, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und trotzdem eine gute Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen.
Mehr dazu unter www.emmali-coaching.de

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So lernt dein Kind den Umgang mit Geld – Kinder-Finanztrainerin gibt Tipps
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8 Gedanken zu „So lernt dein Kind den Umgang mit Geld – Kinder-Finanztrainerin gibt Tipps

  • Februar 2, 2017 um 7:37 am
    Permalink

    Sehr interessantes Thema und immer aktuell. Ich würde bei diesem Thema noch weitergehen. Ich habe schon von Eltern gehört,dass sie den Kindern beibringen Aktien anzulegen statt es einfach auf dem Sparkonto mit einem tiefen Zins wachsen zu lassen.
    Ich finde auch, dass die Schulung des Umgangs mit Geld wichtig ist, jedoch Geld nicht alles sein darf.

    • Februar 2, 2017 um 8:56 am
      Permalink

      Hallo Victoria,
      ja, wenn die Eltern sich auskennen, ist es sicherlich auch sinnvoll ihnen den Umgang mit Aktien, Fonds usw. beizubringen.
      Selbstverständlich ist Geld nicht alles ( nichts geht über Gesundheit, Liebe , Freude und Glück), allerdings erleichtert es doch vieles. Adrienn betont aber auch im Interview, dass es nicht um das Anhäufen geht, sondern darum mit dem, was einem zur Verfügung steht, richtig umzugehen.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Februar 2, 2017 um 11:28 am
    Permalink

    Huhu!
    Diesen Artikel inkl. Interview fand ich sehr interessant und da fiel mir gleich ein, dass ich ja am Taschengeld meiner Kinder feilen muss. Danke für deinen Denkanstoß dazu!

    Herzliche Grüße
    Gianna

    • Februar 2, 2017 um 1:05 pm
      Permalink

      Sehr gerne Gianna, freu mich, dass dir der Artikel gefällt😊.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Februar 8, 2017 um 6:24 am
    Permalink

    Liebe Steffi, danke, dass Du das Thema gewählt hast. Passt natürlich gerade bei uns wie die Faust aufs Auge. Unsere Maus ist bald 5 und das Thema kreist in meinem Kopf. Auch weil sie bislang nur punktuell mit FInanzentscheidungen „konfrontiert“ wurde und ich nicht möchte, dass sie Dinge, die da sind, für selbstverständlich nimmt…
    LG Kasia

    • Februar 8, 2017 um 6:46 am
      Permalink

      Liebe Kasia,
      ich denke so geht es vielen Mamas;eigentlich möchte man seinem Kind alles ermöglichen und geben und andererseits möchte man nicht, dass es dies für selbstverständlich nimmt. Ich hoffe die Tipps im Interview helfen dir weiter.
      Liebe Grüße
      Steffi

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