Diese Begriffe tauchen im Elternalltag immer wieder auf und werden oft wild durcheinander gewürfelt. Konsequenzen klingt irgendwie besser als Strafe, aber ist es das tatsächlich?

Genau darüber möchte ich heute schreiben, die Begriffe näher erklären und dir zeigen, was davon meiner Meinung nach sinnvoll ist und was nicht.

logische Folgen

Strafe

Zu Recht wird heute nur noch selten davon gesprochen, dass man Kinder bestrafen muss. Dies ist überholt und stammt noch aus einer Zeit in der die Mächtigen ihren Untertanen den eigenen Willen aufgezwungen haben – durch Androhung von Strafen.

Leider ist dieses Verhalten aber in einigen Familien noch präsent, weil manche Eltern glauben, dass ihre Kinder ohne Androhung von Strafe nicht lernen könnten sich in die Gesellschaft einzufügen und sich dort durchzusetzen.

Und obwohl der Großteil der Eltern ahnt, dass Strafe nicht wirklich funktioniert, wird sie weiterhin angewandt. Teils aus Mangel an Alternativen, teils, weil die Eltern es selbst genauso erfahren haben und die Methode deshalb nicht hinterfragen.

Konsequenzen

Klingt ja schon etwas freundlicher und das Fachpersonal in Schulen, Kindergärten und Büchern wird nicht müde immer wieder darauf hinzuweisen, dass du als Elternteil unbedingt konsequent sein musst.

Doch ist dem wirklich so?

Für mich sind Konsequenzen nur ein anderes Wort für Strafe und warum dies für Kinder alles andere als nötig ist, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

Mit Konsequenzen versucht (vereinfacht gesagt) ein Elternteil sein Kind zu zwingen das zu tun, was er will und für richtig hält – und zwar dadurch, dass er es für das Kind unangenehm macht etwas anderes zu tun. Dazu gehören auch die allseits bekannten „Wenn-dann“-Sätze.

Konsequenzen konzentrieren sich genauso wie Strafen nur auf das Verhalten des Kindes, aber nicht auf die Bedürfnisse.

Unfairerweise wird dabei so getan, als ob man dem Kind eine Wahl ließe und sollte es sich doch für das entscheiden, was der jeweilige Elternteil nicht will, ist es auch noch selbst Schuld, wenn es dafür bestraft wird.

Dieses Vorgehen ist nicht wirklich logisch und beeinträchtigt leider jedesmal wieder die Beziehung zwischen Kind und Eltern.

Weder Strafen noch Konsequenzen erreichen das eigentliche Problem des Konflikts. Sie bekämpfen Symptome und ignorieren die Bedürfnisse und Gefühle des Kindes.

Die Wirkung von Konsequenzen (oder auch Strafen) ist also rein oberflächlicher Natur. Die Kinder passen sich an, weil sie keine andere Wahl haben.

Logische, natürliche Folgen

Im Gegensatz zu Strafen und Konsequenzen bilden logische, natürliche Folgen eher die Relität ab und nicht nur die Macht eines Elternteils.

Logische, natürliche Folgen sind (wie der Name schon sagt) immer logisch mit einem Verhalten verbunden und zwar auf natürliche Weise ohne Bestrafung.

Ein Beispiel:

Wenn eine Jugendliche ihre Kleidung nicht zum Waschen bringt oder in den Schrank hängt, hat sie irgendwann keine sauberen oder knitterfreien Anziehsachen mehr und sie muss sichtbar unordentlich zur Schule oder zu Freunden gehen. Diese logische Konsequenz wird bei den meisten Jugendlichen vermutlich dazu führen, dass sie in Zukunft sorgsamer damit umgehen. Ein Schimpfen und Drohen der Eltern hätte wohl nur kurzzeitigen Effekt und die Konfliktsituation würde sich immer wieder wiederholen.

Logische, natürliche Folgen können aber nur dann angewendet werden, wenn du als Elternteil in der Lage bist das Verhalten deines Kindes nicht persönlich zu nehmen. gelingt dir das (noch) nicht bist du als Person zu sehr im Konflikt verwickelt und es wird schwer als Beobachter außen zu stehen.

Abgrenzung und Unterschiede

Logische, natürliche Folgen zeigen deinem Kind die Beziehung zwischen dem eigenen Verhalten und dem Ergebnis (das von dir absolut unbeeinflusst ist). Strafe, Konsequenzen und Drohungen sind dagegen willkürliche Handlungen und enthalten meist ein (moralisches) Urteil der Eltern und eine Bestrafung.

Nicht selten führen Strafen und Konsequenzen dazu, dass ein Kind seinen Selbstwert anzweifelt, weil es das Gefühl bekommt nicht richtig zu sein und die Eltern kein Vertrauen in es haben.

An dieser Stelle ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass Kinder durchwegs mit ihren Eltern kooperieren möchten. Deshalb solltest du als Elternteil das für dich unerwünschte Verhalten deines Kindes als Herausforderung sehen. Erkenne, was dahinter steckt, was es dir sagen möchte; sei interessiert und freue dich, dass du dein Kind bei einem seiner Lernprozesse unterstützen darfst. Dann gelingt es dir sicherlich auch häufiger verständnisvoll statt ärgerlich zu reagieren.

Fazit

Jeder Mensch, egal ob Erwachsener oder Kind, macht Fehler; manchmal unüberlegt, manchmal liebevoll und mit den besten Absichten. Das ist in Ordnung so!

Übernimm du als Erwachsener die Verantwortung für Irrtümer, hinterfrage auch deine Reaktionen und Verhaltensweisen.

Versuche dich bei auftretenden Konflikten oder auffallenden Verhaltensweisen deines Kindes in dein Kind hineinzuversetzen und die Situation aus seiner Sicht zu betrachten. Dadurch kannst du dein Kind neu kennenlernen und findest für dich Wege anders zu reagieren.

„Eigentlich braucht jedes Kind 3 Dinge. Es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann, es braucht Vorbilder, an denen es sich orientieren kann und es braucht Gemeinschaften, in denen es sich aufgehoben fühlt.“

Prof. Dr. Gerald Hüther

 

Abschließend möchte ich dir noch mit auf den Weg geben:

  • Denke daran, dass Kinder viel mehr durch dein Vorbild und die Beziehung zu dir lernen als durch allgemeine Erziehungstechniken.
  • Vermeide Bestrafungen (und Belohnungen); beides ist manipulativ.
  • Achte auf die Würde und Integrität (mehr dazu hier…klick) deines Kindes
  • Hab Geduld, auch wenn es anstrengend für dich ist und fördere die Selbstständigkeit deines Kindes (Tipps dazu hier)

 

Noch ein Tipp:

Nimm dir mal ein bisschen Zeit und schau hin,wo genau deine eigenen persönlichen Grenzen sind. Kennst du sie? Sie sind ganz individuell und deshalb macht es viel mehr Sinn sich auf diese zu konzentrieren als allgemeine Grenzen (der Gesellschaft)  unhinterfragt zu übernehmen.

Es ist viel wichtiger darauf zu achten, dass deine persönlichen Grenzen eingehalten werden als deinem Kind irgendwelche Grenzen aufzuzeigen. Und natürlich hat auch dein Kind persönliche Grenzen ( ein Baby z.B. dreht seinen Kopf weg, wenn seine Grenze erreicht ist).

Wenn ihr es schafft in deiner Familie die persönlichen Grenzen eines jeden Familienmitglieds zu achten (und teilweise wirst du bei kleineren Kindern mithelfen müssen, dass andere seine Grenzen beachten), dann wird es weniger Konflikte geben. Und die Konflikte, die natürlicherweise auftreten, können konstruktiv und ohne persönliche Verwicklungen geklärt werden.

Versuch es...mach den ersten Schritt und befasse dich mit deinen ganz persönlichen, eigenen Grenzen.

So, ich hoffe der Artikel hat dir gefallen und ich freu mich wie immer über jeden Kommentar.

 

Liebe Grüße

PS:
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vgl. hierzu: Jesper Juul "Das kompetente Kind" *und Dreikurs und Soltz "Kinder fordern uns heraus"*

Über den Autor

 

Stefanie Wenzlick ist Diplom-Pädagogin (Univ.), Medienpädagogin und selbst Mama von 3 Kindern. Auf ihrem Blog gibt sie praktische Tipps und Anregungen rund um ein entspanntes Familienleben, Erziehungstipps, Kreatives, Shoppingtipps und Episoden aus dem Alltag mit 3 Kindern.

Nachdem sie über 10 Jahre lang Familien und Mütter vor Ort beraten und begleitet hat, ist sie nun auch online als Mamacoach und Erziehungsberaterin tätig. Sie unterstützt Frauen dabei entspannt und mit Leichtigkeit ihren vielen Rollen (Mutter, Partnerin, Freundin, Arbeitnehmerin etc.) gerecht zu werden, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und trotzdem eine gute Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen.
Mehr dazu unter www.emmali-coaching.de

 

Strafen, Konsequenzen oder logische Folgen – was denn nun?
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