Sicher hast du den Begriff Resilienz schon oft gehört. Da es für dein Kind viele Vorteile hat, wenn es ein großes Maß an Resilienz besitzt, möchte ich dir heute aufzeigen, wie Resilienz entsteht, was sie bedeutet und warum sie eine Art Suchtprävention darstellt.

resilienz

Zum Begriff „Resilienz

Ganz allgemein meint Resilienz die psychische Widerstandskraft eines Menschen. Abgeleitet wird der Begriff vom englischen „resilience“, was Spannkraft, Elastizität und Widerstandsfähigkeit bedeutet bzw. vom lateinischen Wort resiliere (abprallen, nicht haften an).

Resilienz bezeichnet also die Fähigkeit eines Menschen bzw. Kindes

  • sich nach einer erlebten, schwierigen oder stark belastenden Situation (Trennung der Eltern, Suchtverhalten der Eltern, Gewalterfahrung etc.),  wieder aufzurappeln.
  • Rückschläge zu akzeptieren und als Herausforderung zu sehen
  • negative Gefühle auszuhalten und in positive umzuwandeln

Diese Fähigkeit ist nicht angeboren, sondern kann erlernt werden; einerseits aufbauend auf den Anlagen in der Person selbst, andererseits durch Faktoren in seiner Lebensumwelt.

Resiliente Kinder handeln lösungsorientiert, nicht vermeidend, fühlen sich in Stresssituationen nicht ausgeliefert und können realistisch einschätzen, ob sie eine Situation beeinflussen können oder nicht.

Was braucht es, um Resilienz bei Kindern zu fördern?

Damit ein Kind Resilienz entwickeln kann, braucht es Ressourcen auf die es zurückgreifen kann und die diese Entwicklung fördern, sog. Schutzfaktoren.

1. Soziale Ressourcen (also im Lebensumfeld des Kindes):

Innerhalb der Familie bzw. des sozialen Netzwerks können das sein:

  • mindestens 1 stabile Bezugsperson (Mama, Papa, Oma, Opa etc.) über einen Zeitraum von mindestens 1 Jahr
  • positive Beziehungen zu Geschwistern oder Freunden
  • wertschätzende, unterstützende Erziehung
  • positives (Rollen-)Vorbild bzgl. Konfliktlösung, Bewältigung von Krisen etc.
  • harmonische Paarbeziehung der Eltern
  • Aufgabenübernahme/Pflichten > wertvoll für Familie
  • Familienzusammenhalt

In Bildungseinrichtungen können das sein:

  • wertschätzendes Klima
  • konstruktive Kommunikation
  • Förderung sozialer Kompetenzen
  • klare und transparente Struktur

Weiteres:

  • positive Rollenvorbilder außerhalb der Kernfamilie, z.B. im Verein, Jugendgruppe
  • Haustiere
  • Tagebuch als Begleiter bzw. Zuhörer
  • Möglichkeit zur Eigenaktivität und Selbstwirksamkeit

2. Ressourcen, die im Kind selbst liegen:

  • positives Temperament
  • Intellektuelle Fähigkeiten
  • positives Selbstwertgefühl
  • hohe Sozialkompetenz
  • sicheres Bindungsverhalten (neugierig, Forscherdrang)
  • Lösungs- und zielorientiert
  • optimistische Lebenseinstellung
  • Talente, Interessen und Hobbies
  • körperliche Gesundheit und Betätigung (Sport, Ernährung, Entspannung)

So kannst du die wichtigen Ressourcen  im Alltag bzw. in der Familie fördern

1. Liebevolle Zuwendung, Körperkontakt und Wertschätzung

Schaffe Offenheit für Gefühle; und zwar für positive und negative Gefühle. Kinder müssen die Gelegenheit haben ihre Gefühle ausdrücken zu dürfen, ohne von den Eltern dafür bewertet oder bestraft zu werden. Stehe du selbst zu deinen Gefühlen, lasse sie zu und akzeptiere auch die Gefühlswelt deines Kindes; selbst dann, wenn du es in dem Moment nicht nachvollziehen kannst. Das gibt deinem Kind emotionale Sicherheit.

Nimm dein Kind regelmäßig in den Arm und kuschele mit ihm. Das stärkt eure Bindung und tut euch beiden gut.

„Manchmal hilft nur eine dicke Umarmung und keine endlose Diskussion darüber, was man tun sollte.“

Höre deinem Kind wirklich zu und sorge dafür, dass deine innere Haltung aufgeschlossen ist. Bewerte oder kritisiere das Gesagte nicht, sondern versuch dich in die Lage deines Kindes zu versetzen. Dein Kind merkt den Unterschied und wird dadurch auch gesprächsbereiter. Respektiere die Meinung deines Kindes, auch wenn du eine andere hast.

Halte dir vor Augen, dass Konflikte vollkommen normal sind und nicht per se negativ. Im Streit setzt man sich mit den Bedürfnissen, Gefühlen und Meinungen anderer und den eigenen auseinander. Halte Konflikte und  Streit (z.B. zwischen Geschwistern) aus, spiele nicht den Schiedsrichter, sondern beobachte einfach nur. Kinder können ihre Streitigkeiten meist sehr gut alleine regeln, wenn man sie lässt. Mehr dazu und zu Ausnahmen findest du hier.

2. Selbstständigkeit und eigener Wille

In den ersten Jahren macht jedes Kind enorme Entwicklungen durch, die sehr wichtig sind und sowohl seinen eigenen Willen als auch seine Selbstständigkeit fordern und fördern. So sind zum Beispiel lachen, sitzen oder krabbeln Dinge, die sich schon die Kleinsten vollkommen eigenständig aneignen. Es ist wichtig dein Kind dabei zu unterstützen, zu ermutigen und zu begleiten. Schenke ihm Vertrauen und greife nur ein, wenn dein Kind wirklich nach deiner Hilfe verlangt. Gerade so im Alter von  2-3 Jahren will dein Kind vieles selber machen und es kann auch ganz vieles selber, aber eben nicht alleine. Deshalb sei einfach nur da ohne vorschnell einzugreifen und ihm damit das (Miß)Erfolgserlebnis zu nehmen.

„Kinder werden nicht lebensfähig, wenn wir alle Steine aus dem Weg räumen.“

Jesper Juul

Zum Zeitpunkt der Autonomiephase (bzw. immer noch häufig Trotzphase genannt) entdeckt dein Kind auch seinen eigenen Willen und fordert ihn vehement ein. Das alles hat aber nichts mit Ungehorsam oder frech sein zu tun und sollte viel positiver gesehen werden. Dein Kind will seinem Leben und seinem Tun einen eigenen Sinn geben. Wird der Wille des Kindes dauerhaft unterdrückt führt es nur dazu, dass es sein Ich nicht richtig entdecken kann. Hab Verständnis für dein Kind, akzeptiere seinen Willen und schau auf das dahinterliegende Bedürfnis. Das bedeutet keineswegs, dass du dich selbst aufgeben sollst. Im Gegenteil; sei ein verlässliches Vorbild und sag „nein“ wenn du „nein“ meinst und es dir wichtig ist. Akzeptiere allerdings auch das „nein“ deines Kindes. Mehr zur Autonomiephase…klick.

3. Selbstwert und Selbstvertrauen

Damit dein Kind sich traut seine eigene Meinung zu äußern, benötigt es ein starkes Selbstwertgefühl. Das kann es nur entwickeln, wenn sein „nein“ auch zuhause gehört und akzeptiert wird. Das beginnt bereits, wenn Tante Erna oder Onkel Albert ein Küsschen haben wollen und geht bis zum Teenager, der sich für den Verwandtenbesuch nicht nach dem Geschmack der Eltern kleiden möchte.

Gib deinem Kind bewusst das Gefühl uneingeschränkt geliebt zu werden und zwar einfach nur deshalb, weil es da ist. Ohne Verpflichtung oder geknüpft an eine Leistung oder ein bestimmtes Verhalten.

„Liebe kann man lernen. Und niemand lernt besser als Kinder. Wenn Kinder ohne Liebe aufwachsen, braucht man sich nicht wundern, wenn sie selber lieblos werden.“

Astrid Lindgren

Unsere Gesellschaft ist leider sehr fehlerorientiert. Führe das zuhause nicht genauso weiter, sondern werde fehlerfreundlicher; bei dir selbst und auch bei deinem Kind. Selbstvertrauen entsteht, wenn dein Kind selbstständig und selbsttätig werden und eigenverantwortlich handeln darf. Hilf ihm seine Stärken zu erkennen und Fehler und Mißerfolge als Lernchance anzunehmen. So behält dein Kind sich seine Neugier und Entdeckerfreude, was wiederum den Lernwillen verstärkt.

4. Kreativität

Bleibt dein Kind also neugierig, dann will es auch Zusammenhänge entdecken, Dinge erforschen und etwas Neues erschaffen. Voraussetzung dafür ist Kreativität. Sie spricht alle Sinne an und gibt deinem Kind die Möglichkeit sein innerstes auszudrücken. Die Ergebnisse sind einzigartig und stärken durch den schöpferischen Vorgang und das individuelle Ergebnis auch das Selbstvertrauen.

Mehr Ideen dazu, wie du die Kreativität fördern kannst, findest du hier.

Resilienz als Suchtprävention

Hier ist wichtig zu wissen, dass Sucht sich nicht nur auf Alkohol oder Drogen beschränkt. Alles, was als Ersatzbefriedigung benutzt wird, um negative Gefühle abzuwenden, kann zur Sucht führen.

Kinder die Frustration und Langeweile aushalten können, weil sie diese aushalten durften, haben hier einen Vorteil. Denn Kinder, die gelernt haben, dass sie stark sind, dass sie Ich-Stärke besitzen, ihre persönlichen Grenzen eingehalten werden und sie Dinge hinterfragen dürfen, fühlen sich wohl in ihrer Haut. Wenn ein Kind sich respektiert, geliebt und sicher fühlt, wird es unabhängig von Suchtmitteln.

In Familien mit einem sehr autoritären und einengenden Erziehungsverhalten der Eltern fühlen Kinder sich unsicher, was dazu führt, dass ihre Ich-Stärke geschwächt wird . Und wenn ein Kind oder später Jugendlicher über einen längeren Zeitraum nicht das bekommt was er braucht (z.B. Liebe, Verständnis, Zuwendung, Anerkennung etc.), neigt er eher dazu sich einen Ersatz zu suchen, was zur Sucht führen kann.

Ich wünsche mir, dass du sagen kannst, dass dein Kind bereits viele Ressourcen, die es resilient machen, besitzt. Falls dies (noch) nicht der Fall ist, dann versuche die oben genannten Faktoren in euren Familienalltag zu integrieren. Davon wird jedes Familienmitglied profitieren, nicht nur die Kinder.

 

Wie geht es dir damit, wenn du das so liest? Was machst du um dein Kind in seiner Persönlichkeit zu stärken?

 

Liebe Grüße

Über den Autor

 

Stefanie Wenzlick ist Diplom-Pädagogin (Univ.), Medienpädagogin und selbst Mama von 3 Kindern. Auf ihrem Blog gibt sie praktische Tipps und Anregungen rund um ein entspanntes Familienleben, Erziehungstipps, Kreatives, Shoppingtipps und Episoden aus dem Alltag mit 3 Kindern.

Nachdem sie über 10 Jahre lang Familien und Mütter vor Ort beraten und begleitet hat, ist sie nun auch online als Mamacoach und Erziehungsberaterin tätig. Sie unterstützt Frauen dabei entspannt und mit Leichtigkeit ihren vielen Rollen (Mutter, Partnerin, Freundin, Arbeitnehmerin etc.) gerecht zu werden, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und trotzdem eine gute Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen.
Mehr dazu unter www.emmali-coaching.de

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Resilienz als Suchtprävention – Mach dein Kind stark!
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