Trotzphase, Autonomiephase oder „terrible twos“; die Begriffe für diese Entwicklungsphase sind vielfältig und oft sehr negativ geprägt. Dabei könnte man es doch einfach „wieder ein Entwicklungsschritt“ nennen, das würde junge Mamas dann vielleicht auch entspannter auf diese Entwicklungsphase zugehen lassen.

Mit dem heutigen Artikel möchte ich Dir 5 Dinge über diese Phase aufzeigen, die du so vielleicht noch nie bedacht hast oder, die du zwar schon gehört, allerdings schon wieder vergessen hattest. Sie sollen dir helfen entspannt und positiv gestimmt auf diesen enormen und wichtigen Entwicklungsschritt deines Kindes zu reagieren.

autonomiephase

1. Erwarte nicht zuviel

Deinem Kleinkind fehlen die sprachlichen Möglichkeiten, um seine Gefühle auszudrücken. Dazu kommt, dass es mit 2 Jahren noch nicht in der Lage ist seine Impulse und Emotionen zu kontrollieren. Trotzdem sind diese Gefühle da und müssen ausgedrückt werden und das passiert eben mit Händen und Füßen und mitunter sehr lautstark.

Einige Mütter erwarten dann von ihrem Kind, dass es sich aus eigenem Antrieb heraus entschuldigt, weil es während des Gefühlsausbruchs andere geschlagen oder geschubst hat. Das ist aber viel zu viel verlangt. Dein Kind kann sich in diesem jungen Alter kaum in eine andere Person und dessen Gefühle hineinversetzen, denn es lernt ja aktuell erst seine eigenen Emotionen zu erkennen und auszudrücken.

Manchmal verkündet dein Kind voller Überzeugung, dass es z.B. bestimmt den ganzen Spaziergang alleine gehen oder sein Laufrad schieben wird. Auf halbem Weg hat es dies dann aber vergessen und will oder kann nicht mehr; vielleicht lässt du dich dann auch dazu hinreißen auf dein Kind einzureden und es zu ermahnen, dass es sich doch an die Abmachung halten muss. Diese Situation kennen bestimmt viele Mütter. Doch vergessen wir dabei, dass Kinder im Alter von 1,5 bis 4 Jahren Zeiträume noch nicht überblicken können und deshalb auch nicht wirklich planen können.

2. Dein Kind will immer mit dir kooperieren

Kein Kind, das sich in dieser Entwicklungsphase befindet, will seine Eltern absichtlich ärgern. Im Gegenteil – Kinder kooperieren immer mit ihren Eltern.

Auch dein Kind macht dies ständig, nur fällt es dir wahrscheinlich gar nicht auf, weil es selbstverständlich für dich ist und es alltägliche normale Dinge betrifft. Wenn deine Tochter sich beim Wickeln ganz still hält, dann kooperiert sie, wenn dein Sohn beim Pullover Anziehen die Arme hochnimmt, dann kooperiert er und wenn dein Kind abends die Zähne putzt, weil du es so möchtest, dann kooperiert es.

Hört dein Kind aber plötzlich damit auf, z.B. beim Einkaufen oder beim Verabschieden in der Kita, fällt dir das sofort auf. Das liegt einfach daran, dass unser Gehirn darauf programmiert ist Abweichungen und Fehler schnell zu erkennen. Wenn es dir aber gelingt dich in diesen Situationen daran zu erinnern, dass dein Kind die vorangegangenen 3-4 Stunden sehr viel kooperiert hat, dann kannst du einfühlsamer auf seinen Wunsch nach mehr Selbstständigkeit bzw. auf sein momentanes Bedürfnis eingehen.

Du möchtest noch mehr Infos, Tipps und Tricks zu dieser Entwicklungsphase? Du möchtest wissen, wie du diesen heftigen Gefühlsausbrüchen vorbeugen bzw. sie gelassen meistern kannst? Dann hol dir den Videokurs "Mein Kind - Der Trotzkopf" (klick).

3. Dein Kind verhält sich nicht absichtlich so

Das Verhalten deines Kindes dient nicht dazu (wie oben schon erwähnt) dich zu ärgern oder zu nerven. Dein Kind kann in diesem Moment, wenn es sich wütend und hilflos auf den Boden wirft und schreit, einfach nicht anders.

Seine Gefühle brechen umgebremst über ihm ein, dein Kind wird quasi von ihnen überrannt und kann sie noch nicht kontrollieren und auch nicht in Worte fassen. In diesen Momenten kannst du dein Kind auch nur schwer mit Worten erreichen. Wenn es sich wieder etwas beruhigt hat, ist es selbst erstaunt darüber, wie es sich gerade verhalten hat und was da eigentlich passiert ist.

4. Dein Kind braucht dich – auch während der Trotzphase

Ganz besonders dringend braucht dein Kind dich während und nach einem heftigen Gefühls- bzw. Wutausbruch. Es muss wissen, dass du immer auf seiner Seite bist trotz dieser widersprüchlichen Gefühlsausbrüche.

Zeig ihm das, indem du es in den Arm nimmst oder in einem ruhigen Moment kurz (nicht zu ausschweifend) mit ihm darüber sprichst und dein Verständnis zeigst.

„Verstehe dein Kind in dieser Zeit, begleite es wertschätzend und lass den Sturm an dir vorüberziehen.“

Petra Straßmeir

5. Deine (Lebens-)Erfahrung ist gefragt, um die Trotzphase gelassen zu meistern

Du bist der Erwachsene und du hast diese Entwicklungsschritte schon lange (erfolgreich) hinter dich gebracht. Genau deshalb bist du auch in der Lage deine Gefühle zu regulieren.

Nutze deine Erfahrung, indem du dich auf keine Machtkämpfe einlässt und vorausschauend bist. Meide die Situationen von denen du weißt, dass sie vermutlich zu heftigen Gefühlsausbrüchen bei deinem Kind führen.

Erinnere dich immer wieder daran, dass dein Kind gerade extrem wichtige Dinge lernt (Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit, Gefühle erkennen und regulieren). Vergiss dich auch selbst nicht und gönn dir regelmäßige kurze Auszeiten (mehr dazu…klick), damit du in diesen herausfordernden Situationen ruhig bleiben und die Trotzphase gelassen annehmen kannst.

Autonomiephase

So und jetzt hoffe ich sehr, dass dir dieses Wissen etwas mehr Sicherheit gibt und du dadurch mit einigen typischen Situationen während der Autonomiephase deines Kindes entspannter umgehen kannst.

 

 

Liebe Grüße

PS:
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Bildquelle: pixabay . com

Über den Autor

 

Stefanie Wenzlick ist Diplom-Pädagogin (Univ.), Medienpädagogin und selbst Mama von 3 Kindern. Auf ihrem Blog gibt sie praktische Tipps und Anregungen rund um ein entspanntes Familienleben, Erziehungstipps, Kreatives, Shoppingtipps und Episoden aus dem Alltag mit 3 Kindern.

Nachdem sie über 10 Jahre lang Familien und Mütter vor Ort beraten und begleitet hat, ist sie nun auch online als Mamacoach und Erziehungsberaterin tätig. Sie unterstützt Frauen dabei entspannt und mit Leichtigkeit ihren vielen Rollen (Mutter, Partnerin, Freundin, Arbeitnehmerin etc.) gerecht zu werden, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und trotzdem eine gute Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen.

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Wer trotzt denn da? 5 Dinge, um die Trotzphase gelassen zu meistern
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10 Gedanken zu „Wer trotzt denn da? 5 Dinge, um die Trotzphase gelassen zu meistern

  • Januar 29, 2017 um 7:59 pm
    Permalink

    Hallo Steffi, wieder einmal ein sehr interessanter Artikel. Ich vergesse leider auch viel zu oft dass meine Kleine viele Sachen wie z.B. auch die Zeit, ect. noch gar nicht so wirklich einschätzen kann. Danke für deine tollen Tipps 🙂

    • Januar 29, 2017 um 9:02 pm
      Permalink

      Ich freu mich, dass dir der Artikel gefällt!

      Liebe Grüße
      Steffi

  • April 11, 2017 um 8:00 pm
    Permalink

    Ich stimme diesem Artikel voll und ganz zu. Allzu oft vergisst man dass die Kleinen noch nicht alles überblicken können wir wir.
    Ich kann mir vorstellen wie es ist von diesen unbekannten, heftigen Emotionen überrannt zu werden. Ich versuche meinem Sohn immer zu sagen: du bist gerade wütend; Oder: du hast grade Angst. Vielleicht hilft es ihm ein wenig dabei mit seinen Gefühlen umzugehen, wenn er ein Wort dafür hat und es zuordnen kann.

    • April 12, 2017 um 5:50 am
      Permalink

      Hallo Inga,
      ich bin auch überzeugt davon, dass du deinem Sohn damit eine gute Hilfestellung gibst und es ihm so nach und nach leichter fallen wird mit seinen Gefühlen umzugehen.
      Liebe Grüße, Steffi

  • Pingback:Emmalis Montagslieblinge - Gefühle mit Kindern besprechen

  • Oktober 17, 2017 um 7:53 pm
    Permalink

    Hallo Allerseits! Den besten Gedanken finde ich: „Nimm das Verhalten Deines Kindes nicht persönlich!“ Als Papa, Mama oder Erzieher im Kindergarten (wie ich einer der seltenen Exemplare bin) nimmt man im Stress alles viel zu persönlich. Ein weiterer Gedanke, der mir sehr gut gefällt ist aus dem Buch: Am Anfang war Erziehung von Alice Miller. Sie schreibt: Ein Kind ist von Grund auf und von Beginn an gut. Diese zwei Einsichten helfen mir persönlich immer weiter. Danke für den tollen Bericht! Oli

    • Oktober 19, 2017 um 9:12 am
      Permalink

      Hallo Oliver,
      vielen Dank für dein Feedback und dafür, dass du den Gedanken von Alice Miller mit uns teilst :).
      Viele Grüße, Steffi

  • April 14, 2018 um 5:22 pm
    Permalink

    Genau das, habe ich grad zu lesen gebraucht, ich wüsste sonst nicht weiter. Das ist, wie ich finde, eine sehr unangenehme Phase. Mein Sohn ( 25 Mon. )ist mittendrin und ich des öfteren fix und fertig und mit den Nerven runter. Ich begleite ihn durch seine Phasen ( bei uns heißt es:“ ah,er springt wieder“), ganz selbstverständlich aber es ist anstrengend. Vielen Dank für die hilfreichen Zeilen.

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