Geschwisterstreit – jede Familie mit mehreren Kindern kennt es; manche sprechen gar von einem Geschwisterkampf.

Je nach Altersabstand, Geschlecht, Familienklima oder Temperament variiert die Intensität der Streitigkeiten von „hin und wieder ein bisschen“ bis zu „täglich massiv“.

Scheinbar lauert plötzlich überall Ungerechtigkeit durch die Eltern, Benachteiligung, Ausgrenzung und Knappheit. Und Du fragst Dich bestimmt „Was mach ich nur falsch?“

Die Antwort darauf: „Vermutlich gar nichts!“

Also, warum müssen die sich denn dann ständig streiten?

Ganz einfach und unspektakulär: „Weil es eben dazugehört.“

Geschwister stehen einem in der Kindheit neben Mama und Papa emotional am nächsten; man muss sich mit Ihnen auseinandersetzen – ob man will oder nicht.

Und so ein enges Zusammenleben mit anderen Menschen, wie es in einer Familie nun einmal an der Tagesordnung ist, funktioniert nicht ohne Konflikte; denn Deine Kinder wollen nur ganz selten zum selben Zeitpunkt auch das Gleiche.

Und wenn das eine Kind jetzt in Ruhe lesen will, das andere aber lieber spielen will, wollen beide verschiedene Dinge und „peng“ , schon ist der Konflikt da.

Gerade Kinder entwickeln  so ihre Persönlichkeiten, sie bilden soziale und emotionale Kompetenzen aus, stärken ihr Ich und lernen im besten Fall wie man Konflikte löst.

Ein Geschwisterstreit ist also nicht per se negativ.

 

Geschwisterstreit
Bildquelle: Fotolia @binagel

Aber warum nervt dieses Gezanke so?

Tja, das kann verschiedene Gründe haben. Der Wahrscheinlichste ist vielleicht, dass wir alle ein sehr enormes Harmoniebedürfnis an den Tag legen.

Entweder weil bei unseren Eltern oder den Eltern von Freunden Konflikte zur Trennung geführt haben (Konflikt = schlecht, weil macht die Familie kaputt), oder weil wir in einem Umfeld aufgewachsen sind, indem es nicht erlaubt war Konflikte offen auszutragen.

So haben wir selbst vielleicht schon als Kind gelernt unsere schlechten Gefühle nach innen zu verlagern und eine Maske zu tragen, die von außen akzeptiert wurde (alles so schön harmonisch hier „miep miep miep, wir ham uns alle lieb“).

Da wir selbst und auch unser nahes Umfeld also mit dem Gedanken aufgewachsen sind, dass Konflikte, Aggressionen und Streit etwas Schlechtes sind, wollen wir diese Gefühle auch bei unseren Kindern eher ungern sehen und versuchen deshalb (auch unbewusst) Geschwisterstreit zu unterbinden.

Dabei verwechseln wir eigentlich nur Harmonie und glückliches Familienleben mit der Abwesenheit von Konflikten.

Es kann aber natürlich auch sein, dass keiner der beiden Gründe trifft zu und es einfach daran liegt, dass Geschwisterstreit tatsächlich nervtötend sein kann.

Soll man sich jetzt darüber freuen, oder wie?

Wenn du magst, darfst Du Dich jetzt tatsächlich auch mal über kleine Geschwisterstreitigkeiten freuen. Lehn Dich zurück und lass die Kinder ruhig mal machen. Einzige Ausnahme: Gewalt, da solltest du dazwischen gehen und laut und deutlich STOPP rufen (darauf geh ich aber gleich noch näher ein).

„Streit fördert Kompetenz, Moral, Mut, Kreativität und Loyalität.“

Geschwisterforscher Stephen Bank und Michael Kahn

Wenn du einfach von Natur aus gerne Ruhe hast, dann zieh Dich zurück, bleib zwar in der Nähe, aber misch Dich nicht ein. Du weißt jetzt, dass Deine Kinder sich selbst und andere besser kennen lernen, wenn sie streiten und sich dabei sogar weiterentwickeln.

Mit zurückziehen meine ich aber nicht Ignoranz und so zu tun, als ob du den Streit und Deine Kinder nicht wahrnimmst. Das wäre eher kontraproduktiv.

Denn des Öfteren zanken sich die Kinder auch, weil sie mehr Aufmerksamkeit wollen, weil sie gesehen werden wollen; und wenn Du Ihnen dann mit Ignoranz begegnest, wird ihr Bedürfnis nicht einmal annähernd gestillt und die Frustration, die mit ein Grund für den Streit war, hält weiterhin an.

Du kannst also darauf wetten, dass es nicht lange dauert bis der nächste Geschwisterkonflikt lautstark ausgetragen wird.

 

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Und wie geh ich dann richtig damit um?

Wie immer in der Erziehung gibt es kein Rezept, dass bei allen gleich gut funktioniert…aber für alle Familienmitglieder und Deine Nerven ist es sicher von Vorteil, wenn Du…

  • …Dich erst einmal nicht einmischst. Warte einen Augenblick und beobachte eine Weile, so hast Du die Chance Deine Kinder in einer anderen Rolle zu erleben und Deine Kinder haben die Chance einen Konflikt eigenständig zu lösen und daran zu wachsen. Wenn Du doch nicht anders kannst als Dich einzumischen, dann sei Vermittler und bitte auf keinen Fall Schiedsrichter. Denn in der Regel gibt es eine Vorgeschichte, die Du nicht kennst.

  • …niemandem die Schuld gibst und halte bitte keine Moralpredigten. Dadurch entstehen nur weitere Konflikte, sowohl zwischen den Kindern als auch mit Dir. Außerdem wird durch Deine Einmischung der Lernfaktor für Deine Kinder stark reduziert. Falls Deine Kids Dir aber unbedingt mitteilen wollen, wer angefangen hat, sei klar in Deiner Aussage und lehne ab (z.B. „Ich werde nicht entscheiden wer angefangen hat, weil ich  nicht dabei war und nicht ungerecht sein will.“)

  • …Deine Macht nicht in den Konflikt einbringst. Wenn auch Du anfängst zu schreien oder zu drohen, verschärft sich der aktuelle Konflikt nur bzw. wird in Kürze ein noch größerer Konflikt folgen. Aggressivität mit Aggressivität zu stoppen funktioniert nicht wirklich und Du demonstrierst damit eher, dass auch Du nicht weißt wie man Konflikte angemessen löst.
  • …Dich nicht ständig um Gerechtigkeit bemühst. Du kannst und sollst Deine Kinder gleichwertig behandeln, aber du kannst sie nicht gleichberechtigt behandeln. Sie haben andere Alter, andere Stärken, andere Vorkenntnisse etc. Außerdem erziehst Du mit dem ständigen Bemühen nach Gleichberechtigung Dein Kind zum Opfer heran; genauso fühlt es sich nämlich, sollte mal der Bruder oder die Schwester das letzte Lieblingseis oder den letzten Erdbeerjogurth bekommen („Das ist ungerecht“). So kommst Du natürlich nie zur Ruhe, weil das ja logischerweise nie ein Ende nimmt („Er muss aber auch noch nicht ins Bett“, „Sie hat aber auch schon ein Handy“ usw.).
  • …Deine Kinder nicht dazu zwingst alles teilen zu müssen. Wenn Ihnen etwas gehört, dann sollen sie frei darüber entscheiden dürfen, ob sie den Bruder oder die Schwester damit spielen lassen wollen oder ob sie z.B. das Lieblings-Shirt wirklich verleihen wollen. Fragen ist ein Muss und auch ein „Nein“ sollte akzeptiert werden. Manipulationen wie „Du bist doch der Große“ oder „Du bist doch die Älteste“ sind unfair und stacheln Konkurrenzverhalten eher noch an.

Genug mit den Don´ts – auf zu den Do´s

Hier also auch ein paar konkrete Tipps, wie Du Dich verhalten könntest (Prävention ist hierbei immer besser als in akuten Situationen Feuerwehr zu spielen und außerdem deutlich einfacher):

  • Bestärke Deine Kinder in ihren jeweiligen Talenten und motiviere sie dabei. Vermeide bewusst Vergleiche; konzentriere dich auf die individuellen Stärken.

  • Geh bei Gewalt dazwischen und sag deutlich „Stopp, das geht so nicht!“. Jegliche körperliche Gewalt solltest Du nicht hinnehmen. Natürlich muss man hier auch auf das Alter der Kinder blicken. Ein 2-3 jähriges Kind kann sich in einer Situation, die ihm bedrohlich erscheint, nicht mit Worten wehren. Es ist völlig normal, dass ein Kleinkind dann schlägt oder beißt, wenn die Frustration zu groß ist. Dein Kind braucht dann Deine Anerkennung und Deine Zuwendung und auch gerne eine knappe Erklärung, dass Du seine Reaktion verstehen kannst, es aber auch andere Wege gibt die Frustration auszudrücken. Mit zunehmendem Alter und Deiner Zuwendung wird es dies dann auch nach und nach verinnerlichen. Bei älteren Kindern hingegen muss man Gewalt nicht hinnehmen, sondern vehement „Stopp“ sagen. Dabei ist es aber extrem wichtig für die Beziehung, dass Du nicht Dein Kind als Person, sondern nur die Handlung an sich als nicht akzeptabel beurteilst.
  • Kläre die Konflikte MIT Deinen Kindern, aber nicht FÜR sie.
  • Schritt 1 bei Konflikten: Hilf Deinen Kindern ihre überwältigenden Gefühle verbal auszudrücken. Nimm dazu Deine Kinder z.B. in den Arm, erkenne ihre Wut und verbalisiere für sie was Du siehst (z.B. „Ich sehe, du bist sehr wütend auf Deinen Bruder“).

  • Schritt 2: Frage nach, was jedes Kind eigentlich haben oder tun will und wiederhole es (Dein Kind sagt z.B. „Ich will lesen“, dann wiederhole „Du möchtest also ein bisschen Ruhe haben“). Such MIT Deinen Kindern nach einer Lösung, lass ruhig Deine Kinder die Vorschläge machen, die sind in der Regel sowieso viel kreativer. Wenn sich trotz allem keine Lösung findet, dann sind die Emotionen mittlerweile trotzdem abgekühlt und jeder kann erstmal alleine sein.

Was ist jetzt die Essenz aus diesen Zeilen?

Wenn sich Deine Kinder geliebt fühlen und als eigenständige Persönlichkeit (ohne Rollenfestlegung) gesehen und anerkannt werden, kann das Konfliktpotential präventiv schon etwas geringer gehalten werden.

Aber auch wenn sich Deine Kinder streiten, lernen sie etwas für´s Leben, über Respekt, Lösungsfindung, wie man Gefühle ausdrückt und erweitern ihre Frustrationstoleranz; vorausgesetzt Du schaffst es Dich zurückzuhalten und nur als Mediator und weniger als Richter aufzutreten.

Das bekommt Dir selber auch am Besten und solange die Auseinandersetzungen nur verbal geführt werden, zieh dich ruhig zurück. Meist endet der Konflikt dann noch schneller!

Wenn wir eine Beziehung haben, gegenseitigen Respekt und eine gemeinsame Sprache, können wir über alle Ängste, Sorgen und Widerstände miteinander reden.

Jesper Juul

Geschwisterstreit

Ich hoffe mein Text hilft Dir dabei den Geschwisterstreitigkeiten in Zukunft etwas entspannter zu begegnen!

 

 

Viele Grüße

 

 

Über den Autor

Stefanie Wenzlick ist Diplom-Pädagogin (Univ.), Medienpädagogin und selbst Mutter von 3 Kindern. Nachdem sie über 10 Jahre lang Familien und Mütter vor Ort beraten und begleitet hat, ist sie nun auch online als Müttercoach und Erziehungsberaterin tätig. Sie unterstützt Frauen dabei entspannt und mit Leichtigkeit ihren vielen Rollen (Mutter, Partnerin, Freundin, Arbeitnehmerin etc.) gerecht zu werden, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und trotzdem eine gute Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen.

In Ihrem Blog gibt sie praktische Tipps und Anregungen für das Familienleben und Mutter-Sein.

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Wie Du mit Geschwisterstreit umgehen solltest
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2 Kommentare zu „Wie Du mit Geschwisterstreit umgehen solltest

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